Umgerechnet wurden im vergangenen Jahr 313 Streiktage je 1.000 Beschäftigte gezählt. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 1993 übertroffen. Damals waren es während der Regierungszeit von Premier Jean-Luc Dehaene († 15. Mai 2014 - CD&V) 299 Streiktage je 1.000 Arbeitnehmer.
Die zahlreichen Gewerkschaftsaktionen gegen die Politik der Föderalregierung um Premier Bart De Wever (N-VA) haben damit stärker zu Buche geschlagen als die Proteste gegen die Regierung Dehaene I.
„Mehr als eine Million Streiktage sind im historischen Vergleich wirklich außergewöhnlich viel“, erklärt ETUI-Forscher Kurt Vandaele. „In fast allen Kategorien wurden Rekorde gebrochen.“
Protest zog sich durch das ganze Jahr
Bemerkenswert ist laut Vandaele auch, dass sich die Protestbewegung über das gesamte Jahr erstreckte. Das unterscheide 2025 von früheren großen Streikwellen. „Bei den Protesten gegen den Globalplan der Regierung Dehaene war das anders. Sie konzentrierten sich stärker auf das vierte Quartal“, so der Forscher.
Besonders stark wurde im Bildungswesen mobilisiert. Auf diesen Bereich entfielen 31,3 Prozent der Streikenden. Der öffentliche Sektor insgesamt war für fast die Hälfte aller Streiktage verantwortlich: Sein Anteil lag bei 49,4 Prozent.
Doch auch in mehreren Bereichen der Privatwirtschaft wurde ungewöhnlich häufig die Arbeit niedergelegt. Dazu gehörten die Lebensmittelindustrie, die Chemie- und Erdölbranche, Transport und Logistik sowie der nichtkommerzielle Sozial- und Gesundheitssektor. Vandaele weist allerdings darauf hin, dass es sich dabei teilweise um Konflikte innerhalb einzelner Unternehmen oder um Auseinandersetzungen über sektorale Tarifverträge handelte.
Besonders viele Streiktage in der Wallonie
Große Unterschiede zeigen sich zwischen den Landesteilen. Am höchsten war die Streikintensität in der Wallonie: Dort kamen auf 1.000 Beschäftigte 499 Streiktage. In Brüssel waren es 456.
Deutlich niedriger lag der Wert in Flandern mit 192 Streiktagen je 1.000 Beschäftigte. Doch auch dort erreichte die absolute Zahl ein außergewöhnliches Niveau. „Mehr als 500.000 Streiktage in Flandern sind trotzdem eine enorme Zahl“, betont Vandaele.
Insgesamt beteiligten sich nach den ETUI-Zahlen im Laufe des Jahres 820.917 Menschen an Streiks – ebenfalls so viele wie nie zuvor. (belga/calü)

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