Versorgung von Menschen mit Beeinträchtigung

„Die Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot.“ Dieser Satz beschreibt die Realität treffend – neu ist er allerdings nicht. Seit Jahren ist bekannt, dass der Bedarf an Wohn-, Arbeits- und Betreuungsangeboten für Menschen mit Beeinträchtigung wächst. Deshalb stellt sich heute eine andere Frage: Was unternimmt die Regierung konkret, damit aus dieser Erkenntnis endlich Lösungen werden? Der Bedarf wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigung, die heute noch die Schule besuchen, stehen bereits in den Startlöchern. Auch sie werden nach ihrer Schulzeit Perspektiven brauchen – für Arbeit, Tagesgestaltung und vor allem für ein selbstbestimmtes Wohnen. Unsere Generation von Eltern hat sich dafür eingesetzt, dass unsere Kinder nicht mehr versteckt werden, sondern selbstverständlich zur Gesellschaft gehören. Wir haben sie ermutigt, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und möglichst selbstständig zu werden. Das war und ist der richtige Weg. Doch dieser Weg darf nicht an der Schultür enden.

Selbstbestimmung braucht mehr als einen Betreuungsplatz. Sie braucht Wahlmöglichkeiten. Dazu gehören unterschiedliche Wohnformen, ausreichend Unterstützungsangebote und auch ein persönliches Budget. Denn nach den Kosten für Betreuung, Fahrdienste und Verpflegung bleibt von den ohnehin knappen finanziellen Mitteln vieler Betroffener oft kaum etwas übrig. Selbstbestimmung scheitert schnell, wenn das Geld dafür fehlt. Auch wir Eltern werden älter. Wir wünschen uns nicht, unsere erwachsenen Kinder ein Leben lang versorgen zu müssen. Wir wünschen uns, miterleben zu dürfen, dass sie – mit der notwendigen Unterstützung – ihren eigenen Weg gehen, selbstständig wohnen und ein möglichst eigenverantwortliches Leben führen können. Es reicht nicht mehr, den Mangel festzustellen. Die Familien in der Deutschsprachigen Gemeinschaft brauchen Antworten. Welche konkreten Maßnahmen sind geplant? Wie viele neue Wohn- und Betreuungsangebote sollen entstehen? Bis wann? Und wie will die Regierung sicherstellen, dass Selbstbestimmung nicht nur ein Leitbild bleibt, sondern gelebte Wirklichkeit wird?

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