Mehr als 100.000 Besucher erwartet: Antwerp Pride bangt um ihre Zukunft

<p>Bunt, ausgelassen und gut besucht: Bereits bei der Antwerp Pride 2025 feierten Zehntausende Menschen gemeinsam in den Straßen der Scheldestadt.</p>
Bunt, ausgelassen und gut besucht: Bereits bei der Antwerp Pride 2025 feierten Zehntausende Menschen gemeinsam in den Straßen der Scheldestadt. | Foto: Photo News

Was einst als Protestmarsch begann, hat sich zu einer Großveranstaltung entwickelt. Auch in diesem Jahr soll die Pride unter dem Motto „Fearless“ (auf Deutsch: „furchtlos“) für Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt stehen und ein Zeichen gegen Homophobie setzen. Gleichzeitig steigen die Kosten Jahr für Jahr, während die öffentlichen Zuschüsse zurückgehen. Für die VoG hinter der Antwerp Pride wird das zunehmend zum Problem.

„Das ist ein Hilferuf“, sagt Van Praet. „Wenn es heute regnen würde, könnten wir unsere Kosten nicht decken und im nächsten Jahr gäbe es keine Parade mehr.“ Die Veranstaltung sei viel zu stark vom Wetter abhängig. „Unsere Festivalgelände liegen alle unter freiem Himmel.“

Fast eine Million Euro benötigt

An öffentlichen Geldern erhält die Antwerp Pride jährlich 25.000 Euro von der zuständigen flämischen Ministerin Caroline Gennez (Vooruit). Die Stadt Antwerpen steuert weitere 30.000 Euro bei. Hinzu kommen 5.000 Euro vom Föderalminister Rob Beenders sowie 25.000 Euro von der Nationallotterie.

Gemessen an den Gesamtkosten reicht das allerdings bei Weitem nicht aus. Allein für die Miete der Festivalgelände fallen nach Angaben der Organisatoren rund 400.000 Euro an. Insgesamt benötigt die VoG knapp eine Million Euro, um die Veranstaltung zu stemmen. Dabei beschäftigt sie lediglich einen fest angestellten Mitarbeiter und greift ansonsten auf zahlreiche Ehrenamtliche zurück.

Die Einnahmen bewegen sich ebenfalls in der Größenordnung von einer Million Euro – entsprechend gering ist der finanzielle Puffer. Einmalige Spenden bringen etwa 50.000 Euro ein. „Das sind hier zehn Euro und dort zehn Euro von Unterstützern“, erklärt Van Praet. Mit dem Verkauf von Merchandise-Artikeln würden gerade einmal rund 5.000 Euro erwirtschaftet.

Entscheidend sind deshalb die Einnahmen auf dem Festivalgelände: Eintrittskarten sowie der Verkauf von Essen und Getränken. Bleiben Besucher wegen schlechten Wetters aus, kann das schnell ein Loch in die Kasse reißen.

Zahlen, die die Wirtschaftszeitung „De Tijd“ ausgewertet hat, zeigen zudem einen deutlichen Kostenanstieg: Die Ausgaben der VoG erhöhten sich demnach von 330.000 Euro im Jahr 2022 auf mehr als 924.000 Euro im laufenden Jahr. Bei erwarteten Einnahmen von knapp einer Million Euro bleibt lediglich ein kleiner Überschuss. Nach Angaben Van Praets müsse der Finanzverantwortliche der Organisation größere Rechnungen mitunter sogar aus eigener Tasche vorstrecken.

Sorge um „sichere Zone“

Für Van Praet geht es jedoch nicht nur um die Zukunft einer Großveranstaltung. Besonders wichtig sei das abgeschlossene Festivalgelände als geschützter Raum für die Besucher. Falle dieser weg, würden sich die Menschen über die Stadt verteilen. „Dort laufen sie Gefahr, zusammengeschlagen zu werden“, warnt der Pride-Präsident.

„Wir brauchen die Mittel, um eine sichere Zone zu schaffen. Wir könnten natürlich sagen: Wir schaffen dieses sichere Umfeld nicht. Aber ich wäre gespannt, was dann passieren würde“, sagt Van Praet. Kritik an einer angeblich „hyperkommerziellen Ausrichtung“ der Antwerp Pride weist er zurück.

Zusätzliche Unterstützung kommt zwar von Unternehmen, nach Ansicht des Vorsitzenden aber noch nicht in ausreichendem Umfang. Ziel sei es, jedes Jahr einen kleinen Überschuss zurückzulegen, um für eine verregnete Ausgabe gewappnet zu sein.

Van Praet verweist dabei auch auf die finanziellen Schwierigkeiten anderer Pride-Veranstaltungen und kritisiert die Verteilung öffentlicher Gelder. „Es ist bitter zu sehen, dass beispielsweise Sportveranstaltungen viel mehr Zuschüsse erhalten, obwohl auch wir sehr viele Besucher anziehen“, sagt er.

Dass die Pride trotz ihrer Größe nicht nur als Volksfest verstanden werden will, zeigt bereits das diesjährige Motto „Fearless“. Am Samstagnachmittag ab 14 Uhr soll die Parade erneut ein sichtbares Zeichen für die LGBTQ+-Gemeinschaft setzen. Für Van Praet bleibt der Kern der Veranstaltung ohnehin unverändert: „Für uns geht es nicht nur ums Feiern. Es bleibt Protest.“ (belga/calü)

Weitere Infos zur Antwerp Pride und dem Programm gibt es HIER

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