Neues GEV-Buch würdigt Künstlerin Maria Hasemeier-Eulenbruch

<p>Auf mehr als 500 Seiten zeichnen Ralph Mennicken (l.) und Elmar Maria Robert (r.) das Leben und Werk von Maria Hasemeier-Eulenbruch nach.</p>
Auf mehr als 500 Seiten zeichnen Ralph Mennicken (l.) und Elmar Maria Robert (r.) das Leben und Werk von Maria Hasemeier-Eulenbruch nach. | Fotos: M. Ortmans

Für Elmar Robert ist es der Abschluss eines Vorhabens, das ihn seit Jahrzehnten begleitet. Um 1980 kam er über einen Töpferkurs im Haus von Thomas Hasemeier, dem Sohn der Künstlerin, mit dem Thema in Berührung und war mit dem Paar eng befreundet.

Nach dem Tod von Thomas Hasemeier im Jahr 2010 wurde ihm ein großer Teil des künstlerischen und schriftlichen Nachlasses anvertraut. „Mir war einfach wichtig, dieser Frau zu dem Stellenwert zu verhelfen, der ihr gebührt“, sagt der Raerener, der seit Jahren eine Kunsthandlung in Köln betreibt. Er wollte sie aus dem Dunkel der Vergessenheit holen und dorthin stellen, wo sie hingehört: als große Keramikerin. Den passenden Mitstreiter fand er in Ralph Mennicken, dem langjährigen Leiter des Töpfereimuseums Raeren, der bereits 1992 als junger Museumsleiter eine Retrospektive zu ihr gestaltet hatte. Für Ralph Mennicken schloss sich damit ein Kreis. Als Kind kannte er die Künstlerin, die zurückgezogen in einem kleinen Häuschen hinter der Gemeindeschule lebte, hinter Büschen versteckt, aus dessen Schornstein zuweilen schwarzer Rauch quoll. Unter den Grundschulkindern ging das Gerücht, dort wohne eine Hexe. Erst bei der Arbeit an der Ausstellung wurde ihm klar, wie sehr diese Vorstellung der Frau unrecht tat. Über seine gesamte, mehr als 30-jährige Museumslaufbahn hinweg begleitete sie ihn, weil immer wieder Menschen mit einem ihrer Werke auftauchten.

<p>Das Buch „Maria Hasemeier-Eulenbruch. Eine Keramikerin der rheinischen Moderne“ ist im Online-Shop des GEV und in der GE-Media-Geschäftsstelle erhältlich.</p>
Das Buch „Maria Hasemeier-Eulenbruch. Eine Keramikerin der rheinischen Moderne“ ist im Online-Shop des GEV und in der GE-Media-Geschäftsstelle erhältlich.

Was die beiden Autoren an ihr fasziniert, ist vor allem ihr handwerkliches Können. Sie beherrschte ihr Material vollständig, sagt Elmar Robert, und zitiert eine Aussage der Künstlerin, sie arbeite nur in Ton und sehe das Werk unter ihren Händen wachsen. Ein digitalisierter Schwarz-Weiß-Film aus den 1960er Jahren zeigt sie bei genau dieser Arbeit, wie sie Tonkügelchen für Tonkügelchen aufeinanderfügt, korrigiert, abstreicht und wieder ansetzt. Die Arbeit selbst war für sie Meditation, oft schuf sie ihre Werke nachts. „In der Beschränkung zeigt sich der Meister“, sagt Elmar Robert. Das Einfache sei im Leben oft das Schwierigste. Sie reduzierte ihre Figuren auf das Minimum, auf die reine Essenz, und brachte gerade in dieser Schlichtheit den Gedanken zum Ausdruck.

Dass sie heute dennoch fast vergessen ist, hat für Ralph Mennicken mehrere Gründe. Als Frau war sie Anfang des 20. Jahrhunderts eine absolute Ausnahme, Frauen durften die Kunstakademien nicht besuchen. Von Kunstkritikern wurde sie mit Ernst Barlach, Wilhelm Lehmbruck und Käthe Kollwitz gleichgesetzt, sie arbeitete mit den ganz Großen ihrer Zeit wie etwa Dominikus Böhm und Rudolf Schwarz. Ihr Schwerpunkt auf sakraler Kunst war dabei Fluch und Segen zugleich. Er hielt sie einerseits fern von der ganz großen Szene, bewahrte sie andererseits davor, von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfolgt zu werden. Ihre Lehrtätigkeit an der innovativen Aachener Kunstgewerbeschule endete gleichwohl, als diese vom NS-Regime aufgelöst wurde. Mit ihrem Mann Robert Hasemeier, der belgische Wurzeln hatte, zog sie nach Ostbelgien.

Für Ralph Mennicken ist sie eine der größten Künstlerinnen Ostbelgiens, von einem handwerklichen Niveau, das alle anderen überrage. Vergleichbar sei allein der Raerener Töpfer Jan Emens aus dem 16. Jahrhundert. Nach dem Tod ihres Mannes Anfang der 1950er Jahre verlor sie ihr inspirierendes Umfeld und lebte „fast wie eine Eremitin in einer künstlerischen Wüste“, wie Elmar Robert es beschreibt. Sie wurde mit ihrer Kunst nie reich, hatte keinerlei Geschäftssinn. Der damalige Pfarrer habe an ihrem Sterbebett gesagt, er habe noch nie eine Frau so arm sterben sehen.

Das Buch stützt sich auf einen reichen Schatz an Primärmaterial.

Das Buch stützt sich auf einen reichen Schatz an Primärmaterial, auf Fotoalben, Skizzen und persönliche Briefe, von denen manche auf dem Speicher von Schimmel und Mäusen gezeichnet waren. Für Elmar Robert endet das Projekt nicht mit dem Druck. Er will den ihm anvertrauten Nachlass weitergeben und nichts davon behalten. Der schriftliche Nachlass soll möglicherweise an das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe in Bonn gehen, die Werke will er unter Museen und Institutionen aufteilen, damit sie für die Nachwelt bewahrt bleiben. Geplant sind zudem mögliche Ausstellungen, unter anderem in Köln und in Aachen.

Das Werkverzeichnis erhebt dabei ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viele kleinere Arbeiten dürften noch heute in ostbelgischen Haushalten und auf Dachböden schlummern.

Das Buch „Maria Hasemeier-Eulenbruch. Eine Keramikerin der rheinischen Moderne“ ist zu einem Preis von 49,90 Euro erhältlich. Es kann im Online-Shop des GEV und in den GE-Media Räumlichkeiten am Marktplatz 8 erworben werden.

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