Die Regierung hatte auf Vorschlag von Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) beschlossen, die Anonymität von Samen- und Eizellspendern abzuschaffen. Das Problem liege nach Angaben der Fertilitätszentren nicht in der Abschaffung der Anonymität an sich, sondern in dem Tempo, mit dem die Reform umgesetzt werden soll.
Ab Juli 2027 müssen alle neuen Spenden identifizierbar sein. Die derzeitigen anonymen Spenderproben dürfen danach nur noch sechs Monate lang verwendet werden. Ursprünglich war eine Übergangsfrist von anderthalb Jahren vorgesehen.
„Sechs Monate sind viel zu kurz, um alle Verfahren, Einverständniserklärungen, Betreuungswege und Gespräche mit Patienten anzupassen“, sagt David Pening, Vorsitzender der Belgischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (BSRM), der Zeitung.
Nach seinen Worten werden die meisten Zentren ihre Tätigkeit monatelang einstellen müssen. Ab Januar 2027 würden keine neuen Behandlungen mehr begonnen, für die Spendersamen oder Spendereizellen benötigt werden. Es brauche mehr Zeit, um die Reform sicher und juristisch korrekt umzusetzen, so Pening.
Auch der Umgang mit anonymen Spendern aus der Vergangenheit und die Haftung, die das neue Gesetz vorsieht, bereiten den Zentren Sorgen. Ende Juni hatte das Belgische Beratende Komitee für Bioethik in einer Stellungnahme an die Regierung bereits erklärt, mit den Grundsätzen des Gesetzes einverstanden zu sein. Zugleich warnte es jedoch, dass die Regierung zu schnell vorgehe.
Der Gesetzentwurf muss noch dem Staatsrat und dem Parlament vorgelegt werden. (belga/rt)

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