Alexander Zverev reckte beide Arme in die Luft und zeigte sein breitestes Grinsen, dann baute er seinen enttäuschten Angstgegner auf: Der Hamburger hat endlich Taylor Fritz geknackt und träumt mehr denn je vom Titelgewinn in Wimbledon. Durch das 6:4, 6:4, 6:2 feierte Zverev seinen ersten Sieg nach zuvor sieben Niederlagen gegen den mit Knieproblemen kämpfenden US-Amerikaner, zog erstmals in das Halbfinale beim Rasen-Highlight ein - und ist nur noch zwei Schritte vom großen Triumph im All England Club entfernt.
„Ich bin sehr glücklich, dass ich im Halbfinale stehe, vor allem nach einem Sieg gegen Taylor, den ich zwei Jahre lang nicht schlagen konnte“, sagte Zverev und zeigte sich angriffslustig: „Ich hoffe, dass ich zwei weitere Partien hier spielen werde.“
Für Zverev ist es das zwölfte Halbfinale seiner Karriere bei einem Grand Slam. Der Hamburger folgt in Wimbledon auf Tommy Haas, der als letzter deutscher Spieler 2009 die Vorschlussrunde beim bedeutendsten Tennisturnier des Jahres erreicht hatte. Auf dem Weg zum erhofften ersten deutschen Triumph im Männer-Einzel seit Michael Stich vor 35 Jahren trifft Zverev nun auf die britische Überraschung Arthur Fery. Der 23-Jährige, der mit einer Wildcard in Wimbledon antritt, bezwang den Italiener Flavio Cobolli 6:4, 7:6 (7:4), 6:0.

„Ihr könnte alle für Fery sein, ich habe kein Problem damit“, sagte Zverev mit einem Augenzwinkern zu den heimischen Fans: „Es wird ein aufregender Tag für uns beide.“ Mit diesem Selbstvertrauen und dieser Form wird Zverev aber auch dann großer Favorit sein. „Tolle Leistung, es war sein bestes Match in diesem Turnier“, sagte Stich bei Prime Video.
Im vierten Aufeinandertreffen in Wimbledon mit Fritz feierte Zverev nach 2018 und 2021 seinen dritten Sieg, zudem war es in London sein erster Erfolg gegen einen Top-Ten-Spieler. Mit einer Pleite im Achtelfinale des Rasenklassikers vor zwei Jahren hatte die Niederlagenserie gegen Fritz begonnen - doch nun ist sie Geschichte.
Trotz der zuletzt großen Probleme gegen Fritz war Zverev optimistisch in das Duell gegangen. „Wenn ich mein Tennis gut spiele und wenn ich so spiele, wie ich es die letzten zwei, drei Monate getan habe, dann sehe ich gute Chancen, dass ich das Match auch gewinnen kann“, hatte er nach seinem Sieg im Achtelfinale gegen den Tschechen Jiri Lehecka gesagt. Bei den vielen Niederlagen sei Fritz einfach „in einer besseren Form“ gewesen. „Das ist halt keine rocket science“, meinte Zverev: „Manchmal ist es so einfach.“
Um 15.21 Uhr Ortszeit betraten beide Spieler Court 1 - und bei 32 Grad in London trug Fritz dabei mal wieder seinen komplett weißen Anzug. Zverev fehlte zunächst die Genauigkeit bei seinen Schlägen, doch weil auch sein Gegner nicht souverän agierte, bot sich schnell eine Breakchance. Nach einem langen Ballwechsel nutzte Zverev diese zum 2:1. Anschließend ließen beide bei eigenem Aufschlag wenig zu - bis Zverev unmittelbar vor Satzgewinn zwei Breakbälle abwehren musste. Nach einem Schrei der Erleichterung sicherte er sich den Durchgang.
Doch Fritz machte keinen frischen Eindruck. Beim Stand von 2:1 in Satz zwei für den US-Amerikaner nahm er eine medizinische Auszeit, ließ sich am Knie behandeln. Fritz spielte weiter, deutete aber immer wieder an, dass etwas nicht stimmte.
Zverev ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, blieb hochkonzentriert und schlug mit dem Break zum 5:4 eiskalt zu. Nach nur 1:22 Stunden Spielzeit ging auch der zweite Durchgang an ihn. Zverev jubelte, Fritz starrte mit leerem Blick auf den Platz. Nach einem weiteren Break zu Beginn des dritten Satzes war Zverev im Londoner Sonnenschein nicht mehr zu stoppen. (sid/kupo)

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