Wärmere Nordsee bringt Artengefüge ins Wanken – Rückgang bei Garnelen

<p>Der Rückgang der Nordseegarnele ist auffällig.</p>
Der Rückgang der Nordseegarnele ist auffällig. | Foto: belga

Besonders auffällig ist laut Vliz der Rückgang der Nordseegarnele im flachen Strandwasser. Ihre Zahl sei in 30 Jahren um 78 Prozent gesunken. Auch Strandkrabben, Grundeln sowie Heringe und Sprotten seien dort heute deutlich weniger häufig anzutreffen. Nach Einschätzung der Forscher meiden mehrere Arten die flachen Küstengewässer zunehmend in den Sommermonaten, wenn die Temperaturen dort zu stark steigen.

Andere Arten profitieren dagegen offenbar von den veränderten Bedingungen. Das Petermännchen, ein Fisch mit giftigen Stacheln, wird laut Studie heute 24-mal häufiger beobachtet als in den 1990er Jahren. Auch die Gemeine Schwimmkrabbe sowie junge Steinbutte und Glattbutte kommen häufiger vor. Zudem hat sich mit der Grauen Schwimmkrabbe aus dem Atlantik eine neue Art an der belgischen Küste angesiedelt. Deutlich zugenommen haben nach Angaben der Forscher auch zwei Rippenquallenarten, darunter die Seestachelbeere und die nicht heimische Amerikanische Rippenqualle.

Die Untersuchung zeigt zudem Verschiebungen im jahreszeitlichen Auftreten einzelner Arten. Grundeln wurden vor 30 Jahren vorwiegend im Juli beobachtet, heute dagegen hauptsächlich im Oktober. Die Nordseegarnele erreicht ihren Häufigkeitshöhepunkt inzwischen bereits im April. Das Vliz betont allerdings, dass die Klimaerwärmung nicht alle Entwicklungen allein erklären könne.

Das flämische Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung Ilvo mahnt in diesem Zusammenhang zur Vorsicht. Es hält es für verfrüht, die Schwankungen bei der Nordseegarnele unmittelbar auf den Klimawandel zurückzuführen. „Wir wissen, dass die Fortpflanzung der Nordseegarnele von mehreren Faktoren abhängt, unter anderem von der Verfügbarkeit von Nahrung“, erklärte Garnelenspezialist Bartel Vertongen gegenüber der Nachrichtenagentur Belga.

Das Ilvo bestreitet die Zahlen des Vliz nicht, warnt aber vor falschen Schlussfolgerungen. Die Studie sei nicht ausreichend repräsentativ, um Aussagen über Meeresarten zu treffen, die in einem viel größeren Gebiet vorkommen und im Jahresverlauf stark wandern. Das gelte insbesondere für die Garnele. Das Ilvo nimmt jährlich Proben an 33 Messpunkten in der Nordsee, darunter auch in tieferen Gewässern. Diese Untersuchungen zeigten keinen allgemeinen Rückgang der Garnelenbestände in der Nordsee. Vielmehr wechselten sich gute und schlechte Jahre ab. Von einem drastischen Rückgang könne daher nicht gesprochen werden. Die Ursachen dieser Schwankungen seien vermutlich komplex und blieben bislang sowohl für Wissenschaftler als auch für Fischer unklar. (belga/svm)

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