30 Stunden lang hatte die Aufhebung seiner Sperre die Fußballwelt beschäftigt. 90 Minuten vor dem Anstoß in Seattle war die wichtigste Frage geklärt: Der nach einer höchst umstrittenen FIFA-Entscheidung spielberechtigte Folarin Balogun stand gegen die Roten Teufel in der Startelf.
Bei Belgien wiederum sorgte Nationaltrainer Rudi Garcia mit vier Wechseln erneut für mehrere Taktik-Überraschungen: Im Achtelfinale gegen den Co-Gastgeber setzte der Franzose sowohl Kevin De Bruyne als auch Jérémy Doku zunächst auf die Bank. Stattdessen liefen Leandro Trossard, Dodi Lukebakio und Charles De Ketelaere von Beginn an in der Offensive auf.

Im Mittelfeld vertraute Garcia auf das Trio Amadou Onana, Youri Tielemans und Nicolas Raskin, während Nathan Ngoy in die Innenverteidigung zurückkehrte. Eine Reaktion auf die intensive Spielweise der USA? „Wir brauchen eine ausgewogene Mannschaft – mit Tempo und körperlicher Präsenz“, erklärte Garcia unmittelbar vor dem Anstoß.
Im Lumen Field erlebte er vom Seitenrand aus einen Traumstart seiner Mannschaft: Bereits nach 50 Sekunden sorgte Castagne mit einem Distanzschuss für ein erstes Ausrufezeichen und zwang Freese im US-Tor zu einer Glanztat. Mit praktisch dem gesamten Stadion gegen sich, dafür aber mit großen Teilen der Fußballwelt im Rücken, nahmen die Roten Teufel das Spiel sofort in die Hand.
Belgien startet furios – und belohnt sich früh.
Nach einem guten Angriff über Lukebakio trat Kapitän Youri Tielemans, gegen den Senegal mit einem Doppelpack noch Matchwinner, über den Ball (8.).
Im dritten Anlauf belohnte sich Belgien für seinen furiosen Start und jubelte bereits nach neun Minuten über den verdienten Führungstreffer. Raskin reagierte im Strafraum am schnellsten und spitzelte den Ball vor das Tor, wo De Ketelaere ihn nur noch zum frühen 0:1 über die Linie drücken musste.

Obwohl auf dem Rasen fast alles nach Plan lief, stockte Fußball-Belgien nach knapp 20 Minuten kurz der Atem: Der solide gestartete Onana fasste sich nach einem Zweikampf ans Knie, für ihm kam Hans Vanaken deutlich früher als geplant.
Kurz darauf war plötzlich wieder alles offen: Mit ihrer ersten Offensivaktion meldeten sich die USA zurück, als ein abgefälschter Freistoß von Tillman hinter Courtois zum 1:1 im Tor einschlug (31.). Und Belgien? Reagierte nicht geschockt, sondern buchstäblich perfekt: De Ketelaere köpfte schon in der 33. Minute nach Vorarbeit von Trossard zur erneuten Führung ein – welch eine Leistung des ehemaligen Brüggers.

Mit einer verdienten 2:1-Führung ging Belgien nach einer starken ersten Hälfte in die Kabine und hätte durch Lukebakio sogar noch auf 3:1 erhöhen können. Den USA fiel gegen die meist kompakt stehenden Teufel lange wenig ein, ehe Balogun erst Sekunden vor dem Pausenpfiff brandgefährlich vor Courtois auftauchte.

Nach der Pause überließ Belgien zunächst den USA den Ball. Die unter Zugzwang stehenden Gastgeber erhöhten zwar den Druck, bissen sich an den weiterhin gut organisierten Teufeln aber weiter die Zähne aus – und servierten Belgien das 1:3 schließlich auf dem Silbertablett. Unter Druck von De Ketelaere vertändelte Torwart Freese den Ball an Vanaken, der aus 30 Metern die Vorentscheidung besorgte (57.).
Das von Youri Tielemans getragene Belgien stand mit anderthalb Beinen im WM-Viertelfinale – und dabei saßen Spieler wie De Bruyne, Doku oder Lukaku auch nach einer Stunde noch auf der Bank. Die beiden Letzteren wurden in der 68. Minute für Doppelpacker De Ketelaere und den auffälligen Lukebakio eingewechselt.

Mit einem wuchtigen Distanzschuss von Berhalter drängten die USA kurz vor Beginn der Schlussphase auf das 2:3, kurz darauf parierte Courtois gut gegen Balogun. Die Roten Teufel waren also gewarnt. In Gefahr sollte der hochverdiente Erfolg jedoch nicht mehr geraten. Ganz im Gegenteil: In Seattle blieb es nicht beim 3:1 für Belgien. In der Nachspielzeit besorgte Lukaku den 4:1-Endstand und krönte einen starken belgischen Auftritt.
Für die Roten Teufel geht das WM-Abenteuer am Freitagabend in Los Angeles gegen Spanien weiter. Der Ex-Weltmeister hatte am Montagabend Portugal mit 1:0 ausgeschaltet.
Namen & Fakten zum Spiel
USA:
Freese - Freeman - Richards - Ream - Robinson - McKennie - Adams - Tillman - Dest - Balogun - Pulišić
Wechsel:
46. Reyna für Dest
59. Berhalter für Pulisic
72. Pepi für Adams
90. Wright für Balogun
90. Arfsten für Robinson
Belgien:
Courtois - Castagne - Ngoy - Mechele - De Cuyper - Onana - Raskin - Lukebakio - Tielemans - Trossard - De Ketelaere
Wechsel:
21. Vanaken für Onana
67. Doku für Lukebakio
67. Lukaku für De Ketelaere
89. Saelemaekers für Trossard
89. Witsel für Raskin
Tore:
0:1 De Ketelaere (9.)
1:1 Tillman (31.)
1:2 De Ketelaere (33.)
1:3 Vanaken (57.)
1:4 Lukaku (90.+4)
Gelbe Karten:
McKennie, Tillman
Schiedsrichter:
Adham Mohammad
Zuschauer:
66.000

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren