Haaland? Mbappé? Messi? Ach was! Der heimliche Star dieser WM hat Federn, einen Schnabel und watschelt lieber, als zu sprinten und Tore zu schießen. Eine Ente namens Merlín ist vom tierischen Begleiter einer Straßenhändlerfamilie in Mexiko-Stadt zum berühmtesten Fan des Turniers geworden – und steht sinnbildlich für die mitreißende Fußballeuphorie im Gastgeberland.
Der graugeäugte und zweieinhalb Kilo schwere Merlín sei „ein kleines Symbol dessen, wie wir sind“, schwärmte Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum, die den zwei Jahre alten Peking-Erpel und seine Besitzerin Karla Gómez (48) kurzerhand in den Präsidentenpalast einlud.Das inoffizielle WM-Maskottchen gilt vielen Fans sogar als eine Art „Nationalheiliger“ – einer, der „El Tri“ auch im Sechzehntelfinale gegen Ecuador in der Nacht auf Mittwoch (3 Uhr MESZ) Glück bringen soll.
Angefangen hatte die besondere Geschichte nach Mexikos Auftaktsieg gegen Südafrika. Während auf der Prachtstraße Paseo de la Reforma Tausende Fans ausgelassen feierten, spazierte Merlín im grünen Trikot seelenruhig durch die Menschenmenge. Videos gingen viral, plötzlich wollte jeder ein Foto mit dem „unerwarteten Star“ (The Guardian), Merlín war seitdem zu Gast in Fernsehsendungen, posierte vor dem Palacio de Ballas Artes und wurde sogar zum FIFA-Botschafter ernannt.
„Wir lassen ihn nie allein, er ist unser Baby – und jetzt ein Idol“, sagt seine Besitzerin. Merlín, wie der Zauberer, „weil er Magie in unser Leben gebracht hat“, sei ein Geschenk einer Kundin für ihren Sohn gewesen, die beiden seien „unzertrennlich“, so Gómez. Und für den Getränkeverkauf die beste Werbung.
Denn der Enterich, der längst natürlich auch als Plüschtier verkauft wird, begleitet seine Familie jeden Tag zur Arbeit. Er posiert für Fotos – „und wenn die Menschen grüßen, grüßt er zurück“. Hin und wieder schnabelt er einen kleinen Plastikball vor sich her. „Ich bin überzeugt davon, dass Merlín in einem früheren Leben Fußballer war“, sagt die Gómez schmunzelnd im SZ-Interview.
Ins Stadion darf der Enterich aus Tierschutzgründen nicht. Und so wird er am Dienstag (Ortszeit) wieder durch die Straßen der mexikanischen Hauptstadt watscheln, während die Fußballstars etwa 20 Kilometer entfernt im legendären Aztekenstadion um das Achtelfinale kämpfen. (sid/tf)



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