Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Belgien seine Wirtschaft rasch wieder ankurbeln. Kohle war die wichtigste Energiequelle, doch es fehlte an Arbeitskräften in den Gruben. Viele Belgier wollten nicht mehr unter Tage arbeiten. Deshalb wandte sich Belgien an Italien, das nach dem Krieg unter Armut litt und selbst Kohle für den Wiederaufbau benötigte.
Am 23. Juni 1946 wurde der Migrationsvertrag geschlossen. Belgien verpflichtete sich, Italien Kohle zu liefern. Im Gegenzug sollte Italien 50.000 Arbeiter für die belgischen Bergwerke stellen.
Für viele italienische Bergleute erfüllten sich die Hoffnungen auf ein besseres Leben jedoch nicht. Sie wurden häufig in alten Baracken untergebracht, waren Rassismus ausgesetzt und arbeiteten unter harten und gefährlichen Bedingungen.
Ein Wendepunkt war die Katastrophe von Marcinelle am 8. August 1956. Beim Unglück im Bois du Cazier kamen 262 Menschen ums Leben, darunter 136 Italiener. Das Drama rückte die Lebens- und Arbeitsbedingungen der italienischen Bergleute in den Fokus.

Heute leben schätzungsweise rund 300.000 Italiener in Belgien. Etwa 2,5 Prozent der belgischen Bevölkerung haben zumindest teilweise italienische Wurzeln. (belga/rt)

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