„Stark beginnen und in der ersten Viertelstunde treffen“: So lautete die Marschroute von Nationaltrainer Rudi Garcia rund 20 Minuten vor dem Anpfiff in der Stadt der Engel. Mission nicht erfüllt, stattdessen wartete Belgien den ganzen Abend ohne Erfolg auf einen Jubler.
Aktuell führen die Teufel und der Iran die Gruppe G mit je zwei Punkten auf dem Konto an. In der Nacht auf Montag unserer Zeit (3 Uhr) stehen sich Neuseeland und Ägypten gegenüber, am kommenden Samstag (5 Uhr MESZ) schließt Belgien die Gruppenphase gegen Neuseeland ab. Erst einmal bleibt also alles offen – die bislang einzig gute Nachricht.
Belgien 0:0 Iran
Das große personelle Fragezeichen über dem belgischen Basiscamp in Seattle heißt weiterhin Jérémy Doku. Gegen den Iran fehlte der Flügelflitzer aufgrund einer Atemwegserkrankung, im weiteren Verlaufe des Turniers könnte er nach England zu seiner hochschwangereren Frau fliegen, um der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes beizuwohnen. „Seine Abwesenheit und die Tatsache, dass Charles De Ketelaere nicht bei 100 Prozent steht, haben mich zu mehr Änderungen gezwungen als vorgesehen“, erklärte Garcia, der ganze vier Veränderungen im Gegensatz zum insgesamt enttäuschenden 1:1 gegen Ägypten beim Auftakt vornahm – und dabei eine große Überraschung aus dem Hut zauberte.

So stürmte Romelu Lukaku erstmals seit dem WM-Qualifikationsspektakel gegen Wales (4:3) im Juni 2025 von Beginn an, bekam von Garcia 45 bis 60 Minuten in Aussicht gestellt. Alexis Saelemaekers beackerte den rechten Flügel (Leandro Trossard rückte auf Dokus linke Seite), Nicolas Raskin und Maxime De Cuyper ersetzten Amadou Onana im defensiven Mittelfeld und Timothy Castagne auf der linken Abwehrseite.
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Statt mit einem Torschuss meldete sich „Big Rom“ allerdings mit einer Gelben Karte, nachdem er mit gestrecktem Bein in Torhüter Alireza Beiranvand gerauscht war (3.). Auch in der Folge setzten sich die Roten Teufel in der Hälfte des Irans, der beim 2:2-Auftaktremis gegen Neuseeland zwei Rückstände ausgeglichen hatte, fest. Kevin De Bruyne und Maxime De Cuyper (9.). vergaben erste Chancen gegen das Team um den ehemaligen Eupener Saied Ezatolahi. Insgesamt blieb es bei ziemlich brotloser Kunst ohne viel Kreativität.
Hinten musste Thibaut Courtois gegen die mit einem Durchschnitt von 32,52 Jahren älteste Startelf der WM-Geschichte plötzlich einschreiten und lenkte einen Kanaani-Schuss stark zur Ecke (14.). Und zehn Minuten später war der VAR der beste Freund der Teufel, die bei einer frechen Freistoßvariante aus zentraler Position offener standen als ein Scheunentor. Mehdi Taremi befand sich bei einem Steckpass aber knapp im Abseits – großes Glück für Belgien.

Es blieb dabei: Im mit 5,5 Milliarden US-Dollar Baukosten teuersten Stadion der Welt pflückte Beiranvand jede Flanke „easy“ aus der Luft, Fernschüsse wurden abgeblockt. Das (personelle) Fazit zur Pause: Wie schon gegen Ägypten fehlte es statischen Teufeln an Rhythmus und Ideen, Lukaku war weitgehend abgemeldet, De Bruyne blieb blass, Doku-Ersatz Saelemaekers brachte kein Plus.

Auch der zweite Durchgang begann mit einer Verletzungsunterbrechung, diesmal hatte es Leandro Trossard an der Wade getroffen – da hätte der gerade eingewechselte Alireza Jahnkakhsh eine Karte sehen müssen (47.). Immerhin schmiss Belgien jetzt den Turbo an, schrammte durch Saelemaekers (50.) und Trossard (51.) am 1:0 vorbei – im Gegenzug rettete Courtois erneut gegen Taremi (53.).

Garcia reagierte mit einem Dreierwechsel, tauschte unter anderem seine gesamte rechte Seite aus: Castagne und Lukebakio kamen für Meunier und Saelemaekers, zudem ersetzte Vanaken Raskin (57.). Und dann war das 1:0 so nah wie nie zuvor, doch irgendwie schmiss Beiranvand seine Hand noch in den Schuss von De Cuyper – eine Wahninnstat des Ex-Antwerpeners.
In die Trinkpause ging Belgien indes mit dem nächsten Nackenschlag: Dem gegen Ägypten so starke Nathan Ngoy versprang der Rückpass zu Courtois, gegen Taremi wusste er sich nur noch mit einer Notbremse zu helfen und flog mit Rot vom Platz (67.). Verteidiger Arthur Theate kam für Lukaku.

In Unterzahl steuerten die Roten Teufel auf das zweite Unentschieden im zweiten Gruppenspiel zu. Auch, weil der längst zum Man of the Match avancierte Beiranvand gegen De Cuyper erneut stark abtauchte (86.). Für den schwachen De Bruyne war Feierabend, doch auch Mathias Fernandez-Pardo gelang nicht der Lucky Punch.

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