Die Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung seien in Belgien weiterhin tief verankert und drohten sich zu verschärfen. Laut CKK schützt das System jene Menschen, die am dringendsten Hilfe benötigen, nicht ausreichend – und oft zu spät, um zu verhindern, dass Behandlungen verschoben oder gar aufgegeben werden. In armen Vierteln lag die Sterberate 2023 bei 1,13 Prozent, in wohlhabenden Vierteln bei 0,75 Prozent – ein Unterschied von 51 Prozent. Auch Diabetes tritt in den ärmsten Vierteln mit 10,8 Prozent doppelt so häufig auf wie in den reichsten Vierteln, wo der Anteil bei 5,4 Prozent liegt.
Zugleich zeigt die Studie, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung dort am stärksten eingeschränkt ist, wo der Bedarf am größten ist. Menschen in prekären Lebenslagen nehmen geplante Behandlungen seltener in Anspruch, verschieben häufiger Arztbesuche und greifen öfter auf Notaufnahmen zurück. Ursache seien konkrete finanzielle, administrative und organisatorische Hürden. Menschen mit den niedrigsten Einkommen verwenden im Durchschnitt acht Prozent ihres Einkommens für Gesundheitsversorgung – sechsmal so viel wie die wohlhabendsten Gruppen. Schutzmechanismen wie die „Maximale Gesundheitsrechnung“ greifen laut CKK oft zu spät, weil Kosten zunächst vorgestreckt werden müssen. Zudem decken sie keine Honorarzuschläge ab und entfalten für Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen oft erst spät Wirkung. Auch beim BIM-Statut (früher VIPO-Status) sieht die CKK Lücken. Mehr als 30 Prozent der Menschen in den niedrigsten Einkommensgruppen verfügten nicht über dieses Statut, obwohl ihr Einkommen unter oder nahe an den Zugangsschwellen liegt. „Diese Studie zeigt eine Realität, die schwer zu akzeptieren ist: Diejenigen, die am meisten Pflege benötigen, sind auch diejenigen, die am wenigsten Zugang dazu haben und den höchsten Preis dafür zahlen“, erklärt Elise Derroitte, Vizepräsidentin der CKK. „Wenn unser System in seinen Grundsätzen solidarisch ist, ist es in seinen Auswirkungen noch nicht solidarisch genug. Heute kommt der Schutz zu spät und bleibt unvollständig.“
Die Christliche Krankenkasse fordert deshalb konkrete Anpassungen: weniger Kosten, die Patienten vorstrecken müssen, eine Ausweitung der Drittzahlerregelung, mehr Hilfe für medizinische Häuser und eine stärkere Anpassung der Maximalen Gesundheitsrechnung an die tatsächliche finanzielle Leistungsfähigkeit der Haushalte. Zudem müsse die Gesundheitspolitik soziale Unterschiede systematischer berücksichtigen und besonders die verwundbarsten Gruppen in den Blick nehmen. (red/nico)

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