Unter den Besuchern befanden sich neben Interessierten aus Ostbelgien auch palästinensische Geflüchtete, die selbst von den Folgen des Konflikts betroffen sind. Die Initiative „Aktiv für Palästina“, die den Abend organisiert hatte, sprach anschließend von einem „Abend, der unter die Haut geht“.
Der Oscar-prämierte Dokumentarfilm zeige, was viele Medien kaum zeigten: die schleichende, systematische Zerstörung palästinensischer Lebensräume im Westjordanland durch israelische Behörden und Siedler – und das bereits lange vor dem 7. Oktober 2023. Im Mittelpunkt des Films steht Basel Adra, ein junger palästinensischer Aktivist aus Masafer Yatta bei Hebron. „Seine Freundschaft mit dem israelischen Journalisten Yuval Abraham, die Achse, um die sich der Film dreht, ist dabei weit mehr als eine bloß menschliche Note. Sie ist ein kleines Zeichen, dass eine andere Wirklichkeit möglich wäre“, so die Initiative. Nach der Vorführung blieben rund 40 Personen für die Gesprächsrunde, moderiert von Clara Falkenberg und Catherine Bettendorff von der Initiative „Aktiv für Palästina“. Als Gesprächspartner standen der Historiker und Pädagoge Dr. Jens Giesdorf sowie Jean-François Lauwens von der Entwicklungsorganisation Entraide et Fraternité zur Verfügung. Lauwens erklärte, warum seine Organisation das Filmprojekt bereits 2020 mitfinanziert hat: Landwirtschaft zu betreiben, ist für die palästinensischen Bauern die erste und elementarste Form des Widerstands. Genau diese Kooperativen, vor allem Frauenkooperativen im gesamten Westjordanland, unterstützt die Organisation Miteinander Teilen finanziell. Die Botschaft der Partner sei dabei eindeutig: Wer auch nur einen Tag das Land verlasse, riskiere, es für immer zu verlieren.

Dr. Jens Giesdorf, der Ende der 1990er Jahre in Jerusalem studiert und dort gelebt hat, ordnete den Konflikt historisch ein: vom israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948/49 über den Sechstagekrieg 1967, der den Beginn der Siedlungspolitik im Westjordanland markierte, bis zum Jom-Kippur-Krieg 1973. Heute leben nach seinen Angaben über eine halbe Million israelische Siedler im Westjordanland, darunter in der Stadt Ma'ale Adumim mit rund 50.000 Einwohnern, die vollständig auf palästinensischem Gebiet errichtet wurde. „Eine Stadt dieser Größenordnung kann man nicht von heute auf morgen zerstören“, sagte Giesdorf – und damit sei die Logik der Besatzung auch in Beton gegossen. Aus dem Publikum kamen Fragen, die vielen im Raum auf der Seele lagen: Wie kann eine Demokratie so etwas zulassen? Was können wir hier in Europa konkret tun? Dr. Jens Giesdorf habe ehrlich geantwortet, und das habe wehgetan, hieß es: „Ich weiß nicht, wie lange das dauert, bis sich vor Ort etwas verändert.“ Abende wie dieser, das Informieren, das Sichtbarmachen – es seien kleine, aber wichtige Schritte. Jean-François Lauwens ergänzte: Die Forderung nach einer Aussetzung des EU-Handelsabkommens mit Israel sei keine glamouröse, aber eine der wirksamsten politischen Forderungen, die der Zivilgesellschaft zur Verfügung stünden. Die Moderatorinnen schlossen den Abend mit einer Ermutigung: Es reiche, empört zu sein, auch ohne das gesamte historische Wissen zu besitzen. Und Basel Adra, dem Filmemacher aus Masafer Yatta? Er wurde nach seiner Europareise verhaftet. Ein Mitarbeiter wurde durch Siedler getötet. Die Region wird weiterhin täglich angegriffen. „Aktiv für Palästina“ ist eine ehrenamtliche Initiative aus Ostbelgien. Der Abend wurde unterstützt durch ArsVitha, Miteinander Teilen, den Landfrauenverband und Attac DG. (red/sc)

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