Er schuftet, er ackert, er quält sich. Mit Trainingsfotos auf Instagram signalisierte Neymar der ganzen Welt: Er gibt alles für ein schnelles Comeback. Noch muss Brasiliens verletzter Superstar aber mit Thera-Bändern im Fitnessstudio statt dem geliebten Ball auf dem Rasen vorlieb nehmen. Ein Einsatz beim WM-Auftakt des Rekordweltmeisters gegen Marokko (Sonntag, 0 Uhr MESZ) scheint ausgeschlossen. Die Zweifel am einst unantastbaren Dribbelkönig wachsen.
„Neymar war mal ein Weltklasse-Fußballer, heute ist er nur noch eine Marketing-Maschine“, sagte Bayern-Ikone Giovane Elber der Sport Bild. „Es tut mir aber leid, ich hätte ihn nicht nominiert. Vielleicht überrascht Neymar mich und spielt so gut wie vor einigen Jahren. Aber daran glaube ich nicht“, ergänzte der brasilianische Ex-Nationalspieler (15 Länderspiele).
Nationaltrainer Carlo Ancelotti sprach zuletzt immer wieder von „Fortschritten“ und davon, dass sich der 34-Jährige „hoffentlich gut erholt“. Neymar, den eine Muskelverletzung plagt, sei schließlich „eine Legende des brasilianischen Fußballs“, so der Italiener.
Dennoch war die Nominierung eine Überraschung. Seit dem 18. Oktober 2023, seit fast 1.000 Tagen also, hat Neymar kein Länderspiel mehr absolviert. Zuletzt lief er, wenn der Körper es zuließ, in der Heimat für den FC Santos auf. Davor war er zwei Jahre bei Al-Hilal in Saudi-Arabien. In einen konstanten Spielrhythmus kam er jeweils nicht. „Wie soll das nun bei der WM funktionieren? Aus meiner Sicht müssen die besten Spieler zur WM – und müssen auch fit sein“, sagt Elber. Gesetzt sind in der Offensive ohnehin längst andere wie etwa Raphinha vom FC Barcelona oder Vinicius Junior von Real Madrid.
Die Vorfreude des Rekordtorschützen (79 Tore), dessen Social-Media-Kanäle derzeit fleißig bespielt werden, bremst das nicht. „Ich fühle mich wie ein Kind, wie ein 18-Jähriger, der zu seiner ersten WM fährt“, sagte Neymar: „Ich bin sehr stolz und glücklich, hier zu sein. Ich werde jede Sekunde, jeden Moment dieser WM genießen und hoffe, dass sie etwas ganz Besonderes wird.“ Auf etwas Besonderes, den sechsten WM-Triumph, warten die brasilianischen Fans seit 2002. In Rio de Janeiro sind die Straßen bunt geschmückt. Doch ein erfolgreicher Sommer blüht nach Ansicht von Elber (53) nicht. „Das Viertelfinale kann Brasilien erreichen. Aber um den Titel zu gewinnen, müsste schon vieles zusammenpassen – und das passiert in so kurzer Zeit nicht.“ (sid/tf)

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