Der Weg zu einem der besten Außenverteidiger der Welt führte Achraf Hakimi durch Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich. Den Fußball in Marokko kannte der Pariser Champions-League-Sieger nur aus Erzählungen, geboren wurde er in Madrid – und doch entschied sich Hakimi gegen die schnelle Titelchance, und für das Heimatland seiner Eltern.
Er ist damit nicht allein. Auch Real Madrids Brahim Díaz und viele weitere Teamkollegen kamen in Europa zur Welt, laufen aber für die marokkanische Nationalmannschaft auf. Gemeinsam verhalfen sie den Nordafrikanern zum Aufstieg in neue Sphären: Als erstes Land in der WM-Geschichte erreichte Marokko vor vier Jahren das Halbfinale. Der Coup von Katar soll aber nur der vorläufige Höhepunkt gewesen sein.
„Warum sollten wir nicht noch besser spielen als in Katar und so weit wie möglich kommen?“, fragte Hakimi in einem Interview mit dem französischen Sportmagazin Onze Mondial und kündigte an: „Wir sind bereit, bei der Weltmeisterschaft große Dinge zu erreichen.“
Ein Außenseiter wie am Golf sind die „Löwen vom Atlas“ nicht mehr. Im vergangenen Jahr feierte die Mannschaft nachträglich den Sieg im chaotischen Finale des Afrika-Cups. In der Weltrangliste schob sich Marokko mittlerweile auf Platz sieben vor – und liegt damit vor den Niederlanden (8.), Belgien (9.) und Deutschland (10.). In den USA, Mexiko und Kanada gehen Hakimi und Co. als Geheimfavorit ins Rennen, mit dem Auftakt am Sonntag (0 Uhr MEZ) gegen Brasilien steht direkt ein wegweisendes Spiel an.
Für Hakimi ist der Showdown mit dem Rekordweltmeister ein Duell auf Augenhöhe. „Durch unsere Leistungen auf dem Platz und das, was wir bei großen Turnieren gezeigt haben, ist Marokko gewachsen und kann sich mit den größten Nationen messen“, sagte der 27-Jährige. Das Weiterkommen in Gruppe C mit den weiteren Gegnern Schottland und Außenseiter Haiti dürfte Formsache sein.
Der Erfolg fußt auf einer ausgeklügelten Scouting-Strategie und einem Netzwerk in Europa. Der marokkanische Verband tritt dort mit den Topnationen in einen Wettstreit um Talente mit doppelter Staatsbürgerschaft wie Hakimi oder Díaz. Was zunächst nur eine Notlösung war, hat mittlerweile System.
„Das ist nichts Aggressives. Wir machen keine Angebote. Kein Geld, nichts“, sagte Mohamed Ouahbi, der die U20-Auswahl Marokkos als Coach 2025 zum WM-Titel geführt hatte und vor drei Monaten auf den zurückgetretenen Erfolgstrainer Walid Regragui gefolgt war, gegenüber der RTBF: „Was ich hingegen mache, ist, mit den Eltern zu sprechen und ein sportliches Projekt für die kurze, mittlere und lange Frist vorzuschlagen“, erklärte Ouahbi. Viele aufstrebende Spieler ließen sich so bereits überzeugen, manche aber nicht. Von Barcelonas Superstar Lamine Yamal kam eine schmerzhafte Absage. (sid/tf)

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