Mit den besten Kanzler-Wünschen: DFB-Elf hofft auf Raketenstart

<p>Per Videocall wünschte Kanzler Friedrich Merz der DFB-Elf um Jonathan Tah, Joshua Kimmich und Kai Havertz (v.l.n.r.) viel Erfolg.</p>
Per Videocall wünschte Kanzler Friedrich Merz der DFB-Elf um Jonathan Tah, Joshua Kimmich und Kai Havertz (v.l.n.r.) viel Erfolg. | Foto: dpa

Die Heimat jedenfalls, versicherte der Kanzler, steht fest hinter ihren Helden. „Ganz Deutschland hält euch die Daumen! Hier fiebern alle mit!“, sagte Merz. Julian Nagelsmann vernahm die Worte des CDU-Politikers vor der ersten Etappe der „Route 26“ mit einem Lächeln, ein „blaues Wunder“ gegen den Außenseiter fürchtet er nicht. „Wir wollen uns die Sicherheit und das Vertrauen holen, dass in dem Turnier was möglich ist“, sagte der Bundestrainer vor dem Spiel am Sonntag (19 Uhr MEZ) im überdachten Stadion.

Wie wichtig ein erfolgreicher Auftakt wäre, zeigt ein Blick in die Geschichte: Bei allen vier Titelgewinnenstartete die DFB-Auswahl mit einem Sieg, bei den historischen Vorrunden-Pleiten 2018 und 2022 gab es Niederlagen gegen Mexiko (0:1) und Japan (1:2). Doch Nagelsmann gibt sich auch mit Blick auf die weiteren Gruppengegner Elfenbeinküste und Ecuador gelassen. „Es ist für mich ein angenehmer, freudiger Druck. Wir haben einen guten Plan“, versicherte der mit 38 Jahren jüngste Trainer des Turniers vor seiner WM-Premiere.

Für Neuer ist es die fünfte WM, der 40-Jährige wird nach 709 Tagen wieder im deutschen Tor stehen – ein Kaltstart nach seiner gerade noch rechtzeitig auskurierten Wadenverletzung. „Er hat einfach diese Ausstrahlung, diese besondere Aura“, sagte Bayern-Kollege Jonathan Tah.

Neben der heiß diskutierten T-Frage scheinen auch alle anderen Personalfragen geklärt. Links hinten hat sich Nathaniel Brown gegen David Raum durchgesetzt, Felix Nmecha wird statt Leon Goretzka im defensiven Mittelfeld auflaufen. Leroy Sané ist vorerst vorne rechts gesetzt.

Nach neun Siegen in Serie ist die Stimmung im DFB-Lager prächtig, der Teamgeist im „Spukschloss“ von Winston-Salem passt. Beim Betreten der Nobel-Herberge The Graylyn Estate werden Kapitän Joshua Kimmich und Co. ohnehin ständig an ihre Mission erinnert: Im Eingangsbereich hängen Fotos der vier Titelgewinne – und diese geben einen Motivationsschub. „Wir sind Deutschland, wir haben Ansprüche an uns. Wenn man in ein Turnier geht, dann will man das Maximum“, sagte Raum.

Dafür setzt man auch auf deutsche Tugenden. „Disziplin, Leidenschaft, Widerstandsfähigkeit – das hatten wir lange nicht“, sagte Nico Schlotterbeck. Doch das wollen alle gegen den kleinsten WM-Teilnehmer der Geschichte von der ersten Minute an unter Beweis stellen. „Es gibt eine gewisse Ruhe, wenn du gut startest“, sagte Sportdirektor Rudi Völler.

Ein hoher Sieg könnte schon fast den Einzug in die K.o.-Phase der besten 32 Mannschaften sichern, weil beim aufgeblasenen Turnier auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen. „Man sollte Zeichen setzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch gegenüber den Gegnern, die danach kommen“, forderte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus.

Doch auf die leichte Schulter soll die „Wundertüte“ Curacao nicht genommen werden. „Wir werden nicht den Fehler machen, sie zu unterschätzen“, sagte Nagelsmann. Curacao habe „viele Spieler, die in den Niederlanden geboren wurden und auf europäischem Top-Niveau ausgebildet sind“.

Vor der Trainingseinheit am Freitag genossen die Spieler ihre freie Zeit auf der Golfanlage gegenüber der Unterkunft, andere zockten Brett- und Kartenspiele, gemeinsam wurde das WM-Eröffnungsspiel auf einer großen Leinwand am Pool geschaut. DFB-Präsident Bernd Neuendorf machte „eine positive Anspannung“ aus, die „man auch braucht“.

Denn der als „Blue Wave“ bekannte Außenseiter will sich nicht schon im Vorfeld geschlagen geben. „Eine Überraschung“, sagte der älteste Turnier-Coach Dick Advocaat (78), „ist immer möglich“. Raketenstart oder doch ein Problem in Houston? Am Sonntag gibt es die Antwort. (sid/tf)

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