Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht die Dutch Glycerin Refinery (DGR) mit Sitz im Chemiepark Delfzijl in Farmsum. Das Unternehmen produziert Glycerin für Kosmetik- und Reinigungsprodukte. Dabei fallen große Mengen Salzrückstände an.
Nach Erkenntnissen der Ermittler soll das Unternehmen die Salzabfälle als Bodenverbesserer abgegeben haben. Über Zwischenhändler gelangten die Stoffe anschließend auf landwirtschaftliche Flächen, wo sie ausgebracht oder vergraben wurden. Untersuchungen ergaben, dass das Grundwasser an einigen Standorten einen Salzgehalt aufweist, der mit Meerwasser vergleichbar ist.
Die niederländische Staatsanwaltschaft wertet die Vorgehensweise als illegale Abfallentsorgung. Nach Angaben der Rechercheplattformen soll DGR dadurch Entsorgungskosten von rund einer Million Euro pro Jahr eingespart haben.
Seit 2023 gelangte das Material über Zwischenhändler zu zwei Händlern in Belgien. Diese sollen das Salz weiterverkauft, auf Feldern verteilt und teilweise unter abgerissenen Stallanlagen und Ackerflächen in der Umgebung von Baarle-Nassau vergraben haben. Zudem soll das Material auch nach Polen und Deutschland exportiert worden sein.
Die beiden Händler gelten inzwischen offiziell als Verdächtige. Einer von ihnen wurde bereits in der Vergangenheit wegen Düngemittelbetrugs verurteilt. Auf Grundstücken des anderen Verdächtigen waren früher illegale Drogenlabore entdeckt worden.
Fachleute warnen vor erheblichen Umweltschäden. Zu hohe Salzkonzentrationen beeinträchtigen zahlreiche Nutzpflanzen und können die Bodenstruktur dauerhaft schädigen. Auch Tiere und Mikroorganismen reagieren empfindlich auf erhöhte Salzwerte, was langfristige Folgen für die Bodenökologie haben kann.
DGR weist die Vorwürfe zurück. Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber BN De Stem, das Unternehmen habe die Salzrückstände nicht als Bodenverbesserer vermarktet. Es habe jedoch Abnehmer gegeben, die entsprechende Nutzungsmöglichkeiten gesehen hätten. Die Lieferungen an den betreffenden Kunden seien inzwischen eingestellt worden.
Die Umweltbehörde der Provinz Groningen verweist darauf, dass DGR für die Abnahme des Materials bezahlt habe und dieses deshalb als Produkt und nicht als Abfall eingestuft worden sei. Nach Angaben von Follow The Money soll dem Unternehmen jedoch bekannt gewesen sein, dass die Salzrückstände letztlich auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht wurden.
Die Dutch Glycerin Refinery gehört zur Musim Mas Group, einem indonesischen Unternehmen der Palmölindustrie.(vrt/ag)

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