Mikroaggressionen treiben viele Beschäftigte zur Kündigung

<p>Mikroaggressionen am Arbeitsplatz bleiben oft unbemerkt, können für Betroffene jedoch schwerwiegende Folgen haben.</p>
Mikroaggressionen am Arbeitsplatz bleiben oft unbemerkt, können für Betroffene jedoch schwerwiegende Folgen haben. | Foto: picture alliance/dpa

Mikroaggressionen äußern sich häufig in scheinbar harmlosen oder sogar gut gemeinten Bemerkungen über die Identität eines Menschen. Dabei kann es um Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder das äußere Erscheinungsbild gehen.

„Auf den ersten Blick wirken solche Aussagen oft freundlich oder belanglos“, erklärt Saloua El Boustani, Ko-Vorsitzende von „Hand in Hand gegen Rassismus“. „Doch auf Dauer können sie erhebliche Auswirkungen auf die Betroffenen haben.“

Gerade die ständige Wiederholung mache das Problem so belastend. Fragen wie „Woher kommst du wirklich?“ oder erstaunte Kommentare darüber, dass jemand „so gut Niederländisch spricht“, gehörten für viele Menschen zum Alltag im Berufsleben. Studien von Febelfin und der König-Baudouin-Stiftung zeigen, dass solche Situationen regelmäßig auftreten.

Die Folge: Viele Betroffene fühlen sich auf Dauer nicht respektiert oder ausgegrenzt und suchen sich einen anderen Arbeitsplatz. „Mikroaggressionen sind keine harmlose Bürowitzelei. Sie stellen ein strukturelles Problem dar, das Talente aus Unternehmen vertreibt“, betont El Boustani.

Mit einer neuen Videokampagne zum Thema „unbeabsichtigtes Unbehagen“ möchte „Hand in Hand gegen Rassismus“ auf diese Realität aufmerksam machen. Die Organisation will zeigen, dass eine Kündigung häufig nicht aus freiem Willen erfolgt, sondern die Konsequenz eines Arbeitsumfelds ist, in dem sich Menschen nicht sicher oder willkommen fühlen.

In den Videos wird dargestellt, wie Kollegen wegschauen oder Vorgesetzte Vorfälle verharmlosen, anstatt einzugreifen. Nach Ansicht der Organisation tragen gerade solche Reaktionen dazu bei, dass diskriminierende Verhaltensweisen bestehen bleiben.

Die VoG fordert Arbeitgeber deshalb auf, konkrete Maßnahmen gegen Diskriminierung und Mikroaggressionen einzuführen. Dazu zählen unter anderem Meldestellen für Betroffene sowie klare interne Verfahren zum Umgang mit entsprechenden Vorfällen.

Ferner richtet die Organisation einen Appell an die Politik. Mikroaggressionen sollten ausdrücklich im geplanten föderalen Aktionsplan gegen Rassismus berücksichtigt werden. „Das Versprechen für einen solchen Aktionsplan besteht seit 25 Jahren. Was bislang fehlt, ist der politische und organisatorische Wille, ihn umzusetzen“, kritisiert die Vereinigung. (belga/calü)

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