Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Weimarer Klassik: Die ZVS-Delegation erkundete die Wirkungsstätten der Herzogin Anna Amalia nebst Bibliothek und des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. Bereits das erste Ziel, die barocke Herzogin Anna Amalia Bibliothek (HAAB) inklusive des modernen Bücherkubus im Studienzentrum, entpuppte sich als ein echtes Highlight. Vom verheerenden Brand von 2003 war – mit Ausnahme einiger Buchlücken in den Regalen – nichts mehr zu sehen. Die Rekonstruktion und Wiedererrichtung sind bereits vor einigen Jahren abgeschlossen worden und die Bibliothek erstrahlt nun wieder in neuem Glanz. Dennoch sind die Bibliotheksverluste in Form der sogenannten Aschebücher sehr schmerzlich und leider unwiederbringlich verloren.
Weimar ohne Goethe ist undenkbar, also ging es für die Teilnehmer am Nachmittag ins Goethewohnhaus am Frauenplan und in das angrenzende Nationalmuseum. Die Dauerausstellung „Lebensfluten – Tatensturm“ mit ihrer Themenvielfalt und den vielen Originalen, ermöglichte den ostbelgischen Besuchern, in das goldene Zeitalter von Weimar einzutauchen. Im Wohnhaus Goethes konnten die Sammelleidenschaft des Dichters, die vielfältigen Interessensgebiete und die Wohnkultur des 18./19. Jahrhunderts bewundert werden.
Weimar hat aber so viel mehr zu bieten als die herausragenden Klassiker. Am dritten Tag ging es für die ZVS-Delegation am Vormittag in das Museum Neues Weimar, das in einer modernen multimedialen Ausstellung Friedrich Nitzsche, Henry Graf Kessler und den Belgier Henry Van de Velde in den Mittelpunkt stellt. Der Weg in die Moderne wurde hier anhand von Gemälden, Skizzen und Skulpturen, aber auch von Möbeln, Geschirr und moderner Innen- und Außenarchitektur verdeutlicht. Damit wurde aber auch der Grundstein zum späteren Staatlichen Bauhaus gelegt. Das 2019 eröffnete Bauhausmuseum stand dann auf dem Nachmittagsprogramm der Ostbelgier. In diesem modernen Museum konnten die ZVSler anhand von vielen Originalen aus dem Bereich des Kunstgewerbes, Filmen und Tondokumenten die Entwicklung des Weimarer Bauhauses um den Gründer Walter Gropius verfolgen und den neuen Lebensstil nach dem I. Weltkrieg historisch einordnen.

Ein heutiger Besuch Weimars kommt jedoch nicht daran vorbei, auch das wohl düsterste Kapitel der deutschen Geschichte – die Zeit des Nationalsozialismus – in den Blick zu nehmen. Am vierten Tag ging es deshalb zur Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald auf dem Ettersberg vor den Toren der Stadt Weimar. In einer dreistündigen fachkundigen Führung erhielt die ostbelgische Delegation einen Einblick in den Abgrund der Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald von 1937-50. Buchenwald wurde nach dem II. Weltkrieg von der sowjetischen Militäradministration weiter als Lager für Regimegegner genutzt und erst zu Beginn der 50er Jahre geschlossen. Ein Rundgang entlang der Allee der Nationen und des Glockenturms mit dem Fritz-Cremer-Denkmal vervollständigte den Ausflug und führte in die Gedenk- und Erinnerungskultur der DDR.
Die ZVS-Studienreise, bereits in der 5. Auflage, hat sich als Ausflugformat bewährt. Die Teilnehmer waren mit dem angebotenen Programm rundum zufrieden. In zwei Jahren soll erneut eine Studienreise des ZVS stattfinden, Ziel eines zukünftigen Ausfluges könnte dann das Elsass oder die Frei- und Hansestadt Hamburg sein. (red/jj)

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