Wie die flämische Tageszeitung „De Morgen“ in ihrer Samstagsausgabe berichtet, wächst in Verteidigungskreisen die Sorge, dass Belgien erstmals ohne einsatzfähige Fregatten dastehen könnte.
Dieses Video zeigt, das Meeresforschungsschiff RV Belgica in Zeebrügge. Es soll eine wichtige Rolle für die belgische und europäische Meeresforschung übernehmen.
Dabei galt das gemeinsame belgisch-niederländische Beschaffungsprojekt lange als Vorzeigevorhaben der militärischen Zusammenarbeit. Geplant waren zwei neue Fregatten für Belgien und zwei für die Niederlande. Doch inzwischen wurde der Zeitplan mehrfach nach hinten verschoben. Nach aktuellen Angaben soll das erste belgische Schiff frühestens 2034 ausgeliefert werden, sieben Jahre später als ursprünglich vorgesehen.
Gleichzeitig steigen die Kosten weiter an. Für die belgische Marine ist das mehr als ein logistisches Problem. Die derzeit eingesetzten Fregatten Leopold I und Louise-Marie haben ihre technische Lebensdauer nahezu erreicht. Die in den 1980er-Jahren gebauten Schiffe gelten als veraltet, Ersatzteile werden knapper und eine dauerhafte Verlängerung ihres Einsatzes erscheint kaum realistisch. Marinechef Tanguy Botman hatte nach Angaben der Zeitung in diesem Zusammenhang bereits vor einem „kritischen Dossier“ gewarnt. Hinter den Kulissen wächst die Sorge vor einem Fähigkeitsbruch: Ohne Fregatten könnte die Marine zentrale Aufgaben nicht mehr erfüllen – von NATO-Übungen über Ausbildung bis zur Präsenz auf See.
Hinzu kommt die finanzielle Dimension: Die Kosten des Programms wurden seit der politischen Entscheidung unter der Föderalregierung von Premier Charles Michel (MR) mehrfach nach oben korrigiert: von ursprünglich rund 600 Millionen auf inzwischen deutlich über eine Milliarde Euro pro Schiff – Tendenz weiter steigend. Der aktuelle Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA) hat gemeinsam mit seiner niederländischen Amtskollegin Gespräche über mögliche Übergangslösungen aufgenommen. Diskutiert werden unter anderem Umbauten neuer Minenjagdboote für zusätzliche Aufgaben oder sogar die zeitweise Anmietung anderer Schiffe. Auch ein radikaler Schritt steht offenbar im Raum: ein Ausstieg aus dem niederländischen Projekt und eine Neuorientierung – etwa Richtung Frankreich. Ein solcher Kurswechsel hätte allerdings nicht nur militärische, sondern auch politische Folgen. Die enge Integration der belgischen und niederländischen Marine basiert bislang auf kompatiblen Flottenstrukturen. Ein Bruch mit dem gemeinsamen Fregattenprogramm würde diese Zusammenarbeit grundlegend verändern. (sc)

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