Ich bin den Schulkollegen dankbar, den Tod von Joseph Müllender aufgegriffen zu haben. Müllender ist ein Unikat und gehört zu diesen Persönlichkeiten, die immer gegenwärtig bleiben, womit der gewählte Ausdruck „Zeus“ durchaus seine Berechtigung hat, weil er unvergessbar und damit mythisch bleibt. Er beschimpfte einen Mitschüler mit deutlicher Fingergeste und raunender Verbalkraft („Dann kannst du dort Süßholz raspeln“, gemeint ist: Du fliegst!). Ein Ausdruck, der bei dem Gescholtenen und bei uns eher einen Lachkrampf als Angst auslöste. Er regte hiermit kreative Inspirationen an. Er hatte einen Tag vorher auf der Tafel umfangreich einen Unterricht vorbereitet (als Direktor gab er kaum Unterricht), mit dem Hinweis „ne pas effacer“. Doch war das Putzkommando offenbar der französischen Sprache nicht mächtig und wusch alles weg. Am darauf folgenden Tag ließ „Zeus“ einen unnachahmlichen Brüll los, der – wohl gewollt – bis in die Mauern der Nikolauskirche schallte. Laut Freddy Derwahl (in „Auf dem Marktplatz“) war er der erste, der nicht im „langen schwarzen Soutanen-Rock“ auftrat, sondern einen Maßanzug trug. Er war für uns alle die Lektion einer anderen Freiheit, die in keinem Lehrbuch stand. Joseph Müllender war auf einmal nicht mehr da. Er war eine Beziehung zu einer halb so jungen Frau eingegangen. Einige Priester folgten ihm.
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