„Man kann gegen einen Tsunami ankämpfen, aber man kann ihn nicht aufhalten“, erklärte Prévot. Entscheidend sei daher, Wege zu finden, um aus der Dynamik „eine Win-win-Situation“ zu machen. Hintergrund seiner Aussagen ist eine Wirtschafts- und Politmission, die ihn in dieser Woche nach Hongkong und China führt.
Dabei steht vor allem das wachsende wirtschaftliche Ungleichgewicht im Fokus: Das Handelsdefizit der EU gegenüber China belief sich im Jahr 2025 auf rund 360 Milliarden Euro. Überkapazitäten der chinesischen Industrie und Marktverzerrungen setzen europäischen Unternehmen zunehmend zu.
Forderung nach fairen Spielregeln
Bei Gesprächen mit chinesischen Behörden will Prévot daher für mehr Gegenseitigkeit und fairen Wettbewerb werben. Gleichzeitig plädiert er dafür, dass die EU ihre eigenen Stärken besser schützt und fördert – etwa durch einen klaren regulatorischen Rahmen.
Der Minister warnte zudem vor Naivität im Umgang mit China. Zwar brauche es gleiche Wettbewerbsbedingungen, doch müsse Europa auch akzeptieren, dass China seine wirtschaftliche Entwicklung nicht verlangsamen werde. „Wir müssen unsere Beziehungen neu denken“, so Prévot – und dabei stärker auf Kooperationen setzen.
Syensqo als Beispiel
Als gelungenes Beispiel nannte der Minister das Unternehmen Syensqo, das seit rund 40 Jahren auf dem chinesischen Markt präsent ist. Der Konzern bringt sein Know-how unter anderem in den Bereichen Luftfahrt, Automobilindustrie und Elektronik ein. Inzwischen stammt etwa ein Drittel des weltweiten Umsatzes aus Asien – vor allem aus China.
Das starke Wachstum vor Ort erklärt sich auch durch den Abbau bürokratischer Hürden. Gleichzeitig hat sich die Strategie des Unternehmens verändert: Statt nur Kapazitäten auszubauen, setzt Syensqo zunehmend auf Innovation.
„In China kann man ohne Innovation nicht bestehen“, erklärte der China-Direktor Yang Liu bei einem Besuch im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Shanghai, in dem 167 Wissenschaftler arbeiten. Das Unternehmen investiert daher verstärkt in grüne Energie, um Kosten zu senken, sowie in Künstliche Intelligenz (KI), um Prozesse zu beschleunigen. (belga/calü)

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