Kammerausschuss gibt grünes Licht: Umstrittene Rentenreform nimmt nächste Hürde

<p>Pensionsminister Jan Jambon im Kammerausschuss</p>
Pensionsminister Jan Jambon im Kammerausschuss | Foto: belga

Die Reform gilt als eines der zentralen Vorhaben der Regierung um Premier Bart De Wever (N-VA). Ziel ist es, das Verhältnis zwischen Arbeitsleistung und Pension stärker zu verknüpfen. „Wer länger arbeitet, soll auch mehr Pension bekommen“, lautet die Leitlinie. Gleichzeitig gehe es darum, das System langfristig finanzierbar zu halten, betont Pensionsminister Jan Jambon. Angesichts der alternden Bevölkerung sei „der Status quo unhaltbar“.

Tiefgreifende Änderungen geplant

Die Reform sieht mehrere einschneidende Maßnahmen vor. Besonders umstritten ist die Einführung eines sogenannten Malus: Wer vorzeitig in Pension geht, ohne mindestens 35 Jahre lang jeweils 156 Tage pro Jahr gearbeitet zu haben, muss künftig mit Abschlägen rechnen. Im Gegenzug soll ein Bonus Anreize schaffen, über das gesetzliche Rentenalter hinaus zu arbeiten.

Ein weiterer sensibler Punkt betrifft spezielle Berufsgruppen: Für Militärangehörige sowie das fahrende Personal der SNCB soll das Rentenalter schrittweise auf das allgemeine Niveau von 67 Jahren angehoben werden.

Auch für Beamte sind Änderungen vorgesehen. Künftig soll sich die Berechnung der Pension nicht mehr nur auf die letzten zehn Berufsjahre stützen. Stattdessen wird dieser Zeitraum schrittweise auf die gesamte Laufbahn von bis zu 45 Jahren ausgeweitet.

Gleichzeitig wird eine neue Form des vorzeitigen Ruhestands eingeführt: Wer 42 Jahre effektiv gearbeitet hat, soll bereits ab 60 Jahren in Pension gehen können.

Kritik und Proteste

Die Reform hat bereits im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt. Gewerkschaften gingen mehrfach auf die Straße und zogen auch vor Gericht. Kritiker werfen der Föderalregierung unter anderem vor, dass Frauen – die häufiger in Teilzeit arbeiten – stärker benachteiligt werden könnten.

Zusätzlichen Unmut löste ein Fernsehinterview von Minister Jambon aus, in dem er andeutete, Frauen müssten sich „anpassen“. Diese Aussage sorgte für scharfe Reaktionen. (belga/calü)

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