Konkret kritisieren die Gewerkschaften, dass das gesetzliche Renteneintrittsalter in Belgien inzwischen bei 66 Jahren liegt, während Piloten laut europäischen Vorschriften bereits mit 65 Jahren nicht mehr fliegen dürfen. Für viele Betroffene entsteht dadurch eine Lücke – mit teils drastischen Folgen.
So sei kürzlich ein Pilot von der Fluggesellschaft Brussels Airlines ohne Abfindung entlassen worden, nachdem er die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht hatte. Für die Gewerkschaften war dies der Auslöser, nun konkrete Maßnahmen zu ergreifen, nachdem sie bereits Mitte März vor genau diesem Szenario gewarnt hatten.
Gemeinsam mit der Pilotenvereinigung Belgian Cockpit Association (BeCA) hatten die Arbeitnehmervertreter damals auf eine „schwerwiegende Widersprüchlichkeit“ zwischen belgischem Rentenrecht und europäischen Luftfahrtregeln hingewiesen. Die Rede war von einem möglichen „juristischen Vakuum“. Im Kabinett des föderalen Pensionsministers Jan Jambon (N-VA) wurde der Fall zunächst als Einzelfall eingestuft – eine Anpassung der Gesetzgebung lehnte man jedoch ab.
Für die Gewerkschaften ist klar: Der aktuelle Fall ist kein Einzelfall, sondern die logische Folge widersprüchlicher Regelwerke. „Das Ergebnis ist kafkaesk“, heißt es in einer Stellungnahme. Es sei inakzeptabel, dass die Politik die Verantwortung an die Branche weiterreiche, während Unternehmen gezwungen seien, Arbeitsverträge zu beenden, bevor Beschäftigte überhaupt das gesetzliche Rentenalter erreichen.
Auch die Erwartung, Fluggesellschaften könnten das Problem durch alternative Beschäftigungen für Piloten lösen, gehe an der Realität vorbei. „Nicht die Airlines müssen eine Lösung finden, sondern die Politik, die Entscheidungen getroffen hat, ohne die tatsächlichen Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen“, betont Gewerkschaftsvertreter Didier Lebbe.
Angesichts der festgefahrenen Lage sehen sich die Gewerkschaften nun zum Handeln gezwungen. Die Streikankündigung soll den Druck erhöhen und dem zuständigen Minister eine „letzte Chance“ geben, strukturelle und faire Lösungen vorzulegen.
Noch hoffen die Arbeitnehmervertreter, dass es nicht zu konkreten Arbeitsniederlegungen kommt. Doch die Unzufriedenheit im Sektor sei groß. „Ohne schnelle und klare Maßnahmen droht die Situation weiter zu eskalieren“, warnen die Gewerkschaften. (belga/calü)

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