Im Zentrum der Kritik steht nach Angaben der Tageszeitung „La Meuse“ erneut die Frage, wie transparent innerhalb der Polizeiführung kommuniziert wird.
Der aktuelle Fall betrifft einen Beamten, gegen den bereits vor seinem Eintritt in die Polizeizone Vesdre ein Verfahren lief. Kürzlich wurde in dieser Angelegenheit ein Urteil gesprochen, gegen das der Betroffene jedoch Berufung eingelegt hat. Parallel dazu wurde eine interne administrative Untersuchung eingeleitet. Für die politischen Verantwortlichen kam diese Entwicklung offenbar überraschend – und genau das sorgt für Unmut.
Die Bürgermeisterin von Dison, Véronique Bonni, zeigt sich irritiert über den Ablauf: Ihrer Aussage nach sei das Kollegium erst kurz vor einer Sitzung per E-Mail über das Urteil informiert worden – und zwar vom betroffenen Beamten selbst. Zum Zeitpunkt seiner Einstellung habe es hingegen keinerlei Hinweise auf laufende Ermittlungen gegeben. Bonni spricht von einem grundlegenden Problem: „Es stellt sich die Frage, ob die Polizeiführung über diese Vorgänge informiert war und warum diese Informationen nicht weitergegeben wurden.“
Die Kritik der Bürgermeister trifft insbesondere den Korpschef.
Auch der Bürgermeister von Pepinster, Philippe Godin, äußert deutliche Kritik. Er sieht in dem Fall ein weiteres Beispiel für mangelnde Transparenz bei Personalentscheidungen.
Besonders problematisch sei, dass das Kollegium erst rund zweieinhalb Jahre nach der Einstellung des Beamten von den Vorwürfen erfahren habe. „Unter diesen Umständen ist es schwer nachvollziehbar, wie eine solche Ernennung ohne vollständige Information erfolgen konnte“, so Godin. Für ihn ist klar: Das Vertrauensverhältnis zur Polizeiführung sei nachhaltig beschädigt.
Die Kritik trifft insbesondere den Korpschef Alain Barbier, dessen Mandat in diesen Tagen zur Verlängerung ansteht. Während Dison und Pepinster sich bereits seit Längerem kritisch gegenüber einer Fortführung seiner Amtszeit zeigen, kommt dieser neue Vorfall zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Unterstützung erhält Barbier hingegen aus Verviers, wo seine Arbeit positiver bewertet wird. Auch der Präsident der Polizeizone, Maxime Degey, bemüht sich um eine sachliche Einordnung. Er betont, dass der betroffene Beamte bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens und der internen Untersuchung als voll einsatzfähig gelte. Zudem sei der aktuelle Fall nicht mit der Entscheidung über die Zukunft des Korpschefs zu vermischen.
Barbier selbst weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Einstellungsverfahren sei ordnungsgemäß verlaufen und vom Polizeikollegium sowie vom Rat genehmigt worden. Erst nach Eingang entsprechender Informationen durch die zuständigen Kontrollinstanzen sei im April 2026 eine interne Untersuchung eingeleitet worden.
Trotz dieser Stellungnahmen bleibt die Lage angespannt. Neben dem aktuellen Fall belasten auch andere Streitpunkte das Verhältnis zwischen den beteiligten Gemeinden und der Polizeiführung – darunter finanzielle Differenzen über die Beiträge zur Polizeizone.
Die Entscheidung über die Verlängerung des Mandats von Alain Barbier dürfte daher nicht nur eine Personalfrage sein, sondern auch ein Signal dafür, wie es künftig um Vertrauen und Zusammenarbeit innerhalb der Polizeizone Vesdre bestellt ist. (red/arco)

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