Neue Bäume, mehr Vielfalt: Der Wald von morgen muss sich wandeln

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Die Sonne scheint durch die grünen Blätter der Bäume in einem Wald. | Foto: Monika Skolimowska/dpa

Der Wald ist weit mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen: Er bindet Kohlenstoff, speichert Wasser, schützt Böden und bietet zahlreichen Tierarten Lebensraum. Doch er steht vor großen Herausforderungen. Der Klimawandel mit häufigeren Trockenperioden sowie Schädlinge verändern das Ökosystem spürbar. Zum Internationalen Tag des Waldes (21. März) lohnt sich daher ein Blick in die Zukunft.

Fachleute skizzieren, wie sich der Wald in den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnte. Die gute Nachricht vorweg: Auch in 50 Jahren dürfte es noch Wälder geben – allerdings werden sie vielfältiger, lichter und deutlich anspruchsvoller in ihrer Bewirtschaftung sein. Um Wälder langfristig an den Klimawandel anzupassen, braucht es die Zusammenarbeit von Forstwirtschaft, Politik und Gesellschaft. Nach Ansicht von Experten kann es nur so gelingen, den Wald durch gezielte Eingriffe widerstandsfähiger zu machen und für die Zukunft zu sichern. Silvio Schüler, Leiter des Instituts für Waldwachstum, Waldbau und Genetik am österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald, sieht bereits Fortschritte beim Umbau der Wälder. Ein Beispiel ist der zunehmende Anbau von Eichen. Sie werden von Baumschulen stark nachgefragt. Die Eiche gilt als eine der wichtigsten heimischen Baumarten, weil sie Trockenheit und Hitze besser verträgt als etwa die Fichte. Beim langfristigen Umbau setzen Forstexperten zunehmend auf artenreiche Mischwälder mit mehreren stabilen Baumarten. Neben Eichen gehören dazu auch seltenere heimische Arten wie Elsbeere, Speierling, Feldahorn oder Vogelkirsche. Fachleute empfehlen, möglichst mehrere Baumarten innerhalb eines Bestandes zu kombinieren, um die Stabilität zu erhöhen.

In wärmeren Regionen Europas werden zunehmend auch Baumarten aus südlicheren Gebieten diskutiert, etwa Zerreiche, Edelkastanie oder Orientbuche. Auch die Douglasie gilt als mögliche Alternative, da sie mit Trockenheit besser zurechtkommt als Fichten. Darüber hinaus werden vereinzelt weitere südliche Arten wie ungarische Eichen oder bestimmte Tannenarten in Betracht gezogen. Der Umbau der Wälder erfordert jedoch Geduld. Fachleute betonen, dass es sich um eine Aufgabe für Generationen handelt, die sich über viele Jahrzehnte erstrecken kann. Erste sichtbare Veränderungen könnten nach 20 bis 30 Jahren erkennbar sein. Gleichzeitig stellt dieser Prozess auch eine finanzielle Herausforderung dar, da höhere Kosten für Pflege und Bewirtschaftung entstehen können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist nach Ansicht von Schüler die Zusammenarbeit zwischen Forstwirtschaft und Jagd. Wildtiere wie Rehe oder Hirsche fressen bevorzugt junge Bäume – darunter gerade jene Arten wie Eichen, die für die Anpassung an den Klimawandel besonders wichtig sind. Angepasste Wildbestände gelten daher als entscheidende Voraussetzung für einen erfolgreichen Waldumbau. Doch was passiert, wenn diese Anpassung nicht gelingt? Studien zeigen, dass rund ein Drittel der europäischen Baumarten durch den Klimawandel gefährdet sein könnte. Experten halten es für möglich, dass die Geschwindigkeit der klimatischen Veränderungen die natürliche Anpassungsfähigkeit vieler Bäume übersteigt. Eine steigende Zahl extrem heißer und trockener Jahre würde die Wälder zusätzlich belasten.

Anhaltend hohe Temperaturen und Wassermangel setzen viele Baumarten unter Stress. Besonders wirtschaftlich bedeutende Arten wie Fichte, Kiefer oder Buche zeigen bereits messbare Schäden. Nach Einschätzung von Schüler könnte selbst die Buche, die lange als relativ widerstandsfähig galt, an ihre Grenzen stoßen. An besonders trockenen Standorten könnte sie künftig deutlich kleiner bleiben und häufiger Teile ihrer Krone verlieren. Hinzu kommt ein wachsendes Risiko durch Schädlinge. Besonders problematisch ist der Borkenkäfer, der vor allem Fichten befällt. Höhere Temperaturen begünstigen seine Vermehrung und erhöhen damit die Gefahr großflächiger Schäden. Experten sehen zudem einen grundsätzlichen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung der Wälder. Ein lichterer und widerstandsfähigerer Wald kann weniger CO₂ speichern. Wenn ein Wald statt 400 nur noch etwa 150 Bäume pro Hektar aufweist, sinkt zwangsläufig auch das Holzvolumen – und damit die Menge an gebundenem Kohlenstoff. Bereits heute zeigt sich eine Veränderung: Große Schäden durch Hitze, Trockenheit und Schädlinge führen in manchen Regionen dazu, dass Wälder mehr Kohlenstoff abgeben als aufnehmen. Der Wald der Zukunft wird sich deshalb deutlich verändern. Fachleute sehen diesen Prozess bereits im Gang. Beispiele dafür sind das großflächige Verschwinden einzelner Baumarten wie Ulmen oder Eschen in manchen Regionen. Auch optisch wird sich der Wald verändern. Trockenheitstolerante Eichenmischwälder sind häufig lichter und artenreicher als die heute vielerorts dominierenden dichten Nadelwälder. Langfristig dürfte der Fokus stärker auf Stabilität und dem Erhalt der ökologischen Funktionen des Waldes liegen – weniger auf der reinen Maximierung der Holzproduktion. Für viele Menschen wird das ungewohnt sein. Das vertraute Bild dunkler Nadelwälder könnte seltener werden. Sicher ist jedoch: Wälder werden weiterhin existieren – auch wenn sie künftig anders aussehen, anders riechen und möglicherweise nicht mehr alle Funktionen im gleichen Ausmaß erfüllen wie heute. (dpa/sc)

Kommentare

  • Interessant; entscheidend für CO2 Speichern ist die Lauboberfläche und diese könnte gleich oder sogar größer sein bei viel weniger Bäumen/ha. Lichtere Bestände schaffen höhere Baumkronen, also mehr "grüne Höhe" als dichtere Bestände. Und nicht zu vergessen: egal wieviel Bäume am ha stehen, die Produktion von Starkholz bleibt gleich auf einer Dauer von 50 bzw. 100Jahren. Weniger Bäume = mehr Platz = dickere Stämme/Kronen = widerstandfähigere Bäume: der bisherige Waldbau hat immer die Zahl gefördert, das war eher wachstumshemmend für stärkere und stabilere Bäume.
    Försterkriege gehören allerdings einer nahen Vergangenheit.

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