Bürgerdialog: Was wird aus den Ideen für ein gutes Altern?

<p>Wie kann gutes Altern gelingen? Mit dieser Frage hat sich der Bürgerdialog beschäftigt.</p>
Wie kann gutes Altern gelingen? Mit dieser Frage hat sich der Bürgerdialog beschäftigt. | Illustration: picture alliance/dpa

In einer öffentlichen Sitzung stellten Abgeordnete ihre Stellungnahme dazu vor und tauschten sich mit Vertretern der DG-Regierung direkt mit den Mitgliedern der Bürgerversammlung aus. „Bei diesen Stellungnahmen handelt es sich um eine erste Reaktion, nichts Abschließendes“, erklärte der Ausschussvorsitzende José Grommes (ProDG). Sie dienten als Grundlage für die Diskussion.

Das Dekret zum Bürgerdialog sehe ohnehin ein Jahr Zeit vor, um die Empfehlungen weiter zu prüfen und mögliche Umsetzungen vorzubereiten. Die Vorschläge der Bürgerversammlung wurden thematisch in vier Schwerpunkte gegliedert: Information für Senioren, neue Wohnformen, Austausch zwischen Generationen sowie Mobilität und Erste Hilfe. Fabienne Colling und später Andreas Jerusalem (beide Ecolo) präsentierten die Stellungnahmen der Ausschüsse.

Im ersten Schwerpunkt ging es darum, wie ältere Menschen besser über Angebote informiert werden können. Die Bürgerversammlung hatte eine umfassende Übersicht über Angebote für Senioren vorgeschlagen. Der Parlamentsausschuss unterstützt das grundsätzlich, setzt aber vor allem auf digitale Lösungen. Infos sollen künftig stärker gebündelt werden – etwa über bestehende Plattformen. Aus der Bürgerversammlung kam Kritik: Für Senioren der Zukunft möge das richtig sein, doch für aktuell Betroffene nicht unbedingt. Zumindest eine kompakte Übersicht solle es weiterhin auf Papier geben. Ministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) betonte, dass ein rein digitaler Ansatz nicht geplant sei. Denkbar seien Flyer oder Hinweise in Gemeindeblättern. Eine umfassende Broschüre für alle Haushalte halte sie hingegen für wenig sinnvoll: Infos seien dann nun einmal schnell veraltet.

Ein weiterer zentraler Vorschlag der Bürgerversammlung – sogenannte kommunale Seniorenbeauftragte – wurde grundsätzlich aufgegriffen. Diese könnten als Ansprechpartner vor Ort fungieren, Senioren informieren und Bedarfe erfassen. „Sie wären Anker in den Gemeinden und nah an der lokalen Situation“, erklärte Ministerin Lydia Klinkenberg. Ob diese Funktion verpflichtend eingeführt wird, sei allerdings noch offen und müsse mit den Gemeinden besprochen werden. Die Finanzierung der Seniorenbeauftragten könnte nach dem Vorbild der Integrationsbeauftragten von der DG übernommen werden.

Für Ende 2026 ist ein großes Seniorenforum geplant, bei dem Themen wie gesundes Altern, Demenz oder Wohnen im Alter diskutiert werden.

Im zweiten Themenblock ging es um innovative Wohnprojekte für Senioren. Die Bürgerversammlung hatte angeregt, neue Wohnformen stärker zu fördern. Die DG-Regierung sieht den Bedarf, verweist jedoch auf praktische Schwierigkeiten. Private Projekte seien oft teuer und daher für viele Senioren kaum erschwinglich. „Solche Wohnformen funktionieren häufig nur für Menschen mit einer guten Pension“, erklärte die Ministerin. Für die untere Mittelschicht brauche es ebenfalls passende Lösungen. Auch Investoren seien bislang zurückhaltend. Die ProDG-Abgeordnete Elke Comoth sprach von einem notwendigen „Mentalitätswandel“. Erst wenn der Bedarf sichtbarer werde, seien Investoren eher bereit, Projekte zu entwickeln. Der Parlamentsausschuss will sich im Laufe des Jahres vor Ort über bestehende Vorhaben informieren. Auch Mitglieder der Bürgerversammlung sollen daran beteiligt werden.

Mehrere Empfehlungen zielten darauf ab, den Austausch zwischen Jung und Alt zu stärken – etwa durch Gemeinschaftsorte, Patenschaften oder Tauschplattformen. Ministerin Lydia Klinkenberg verwies darauf, dass es bereits zahlreiche Initiativen in Ostbelgien gebe. Als Beispiele nannte sie unter anderem soziale Treffpunkte, das Dorfhaus in Eynatten oder Projekte wie „Mittendrin“ in Eupen. „Es gibt viele Projekte – aber sie sind oft zu wenig bekannt“, stellte sie fest. Eine Tauschplattform für soziale Dienstleistungen wurde ebenfalls diskutiert. Hier wolle man zunächst prüfen, warum frühere Versuche gescheitert seien.

Ein spezieller und viel diskutierter Vorschlag der Bürgerversammlung betraf den Einsatz pensionierter Fachkräfte – etwa in Schulen zur Unterstützung bei Hausaufgaben oder Betreuung. Vertreter von Parlament und Regierung verwiesen jedoch auf rechtliche Grenzen. Der Rückruf pensionierter Lehrkräfte sei nur unter bestimmten Bedingungen möglich und vor allem für Lehrtätigkeiten vorgesehen, so Myriam Pelzer, Kabinettschefin von Unterrichtsminister Jérôme Franssen (CSP).

Im vierten Schwerpunkt ging es schließlich um Mobilität im Alter sowie Erste-Hilfe-Kenntnisse. Die Bürgerversammlung hatte u.a. eine zentrale Plattform für Mobilitätsangebote vorgeschlagen.

Aus den Reihen der Bürger gab es die grundsätzliche Frage, nach welchen Kriterien entschieden werde, welche Vorschläge letztlich umgesetzt werden. Ministerin Lydia Klinkenberg verwies darauf, dass zunächst weitere Analysen und Veranstaltungen – etwa das erwähnte Seniorenforum – stattfinden. Auch Anhörungen und Projekte könnten dabei eine Rolle spielen.

Das Thema Altern bleibt auf der politischen Agenda. In einem Jahr wird es eine Abschlussversammlung geben. Danach wird sich auch das PDG in seiner Plenarsitzung erneut mit den Empfehlungen befassen.

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment