„Chomeur“ auf Audi RS6: Provokantes Kennzeichen sorgt in Belgien für Wirbel

<p>Die personalisierte Nummerntafel „Chomeur“ war ursprünglich an einem Audi RS6 angebracht – das leistungsstarke Modell sorgte in Kombination mit der provokanten Aufschrift für zahlreiche Reaktionen.</p>
Die personalisierte Nummerntafel „Chomeur“ war ursprünglich an einem Audi RS6 angebracht – das leistungsstarke Modell sorgte in Kombination mit der provokanten Aufschrift für zahlreiche Reaktionen. | Foto: privat

Die provokante Kombination war zunächst an einem Audi RS6 angebracht – einem Fahrzeug, das kaum mit dem Begriff Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht wird. Inzwischen ist die Nummerntafel an einem BMW zu sehen.

Der frühere Besitzer des Kennzeichens, ein Mann aus der Region Namur, meldete sich gegenüber der Tageszeitung „La Meuse“ zu Wort, nachdem über den Verbleib seines Audi spekuliert worden war. Er habe das Kennzeichen nach dem Verkauf des Wagens freiwillig löschen lassen.

„Manche werden es lächerlich finden, 1.000 Euro für ein so provokantes Kennzeichen auszugeben. Ich empfand es als eher witzig. Als Selbstständiger arbeite ich sehr viel“, erklärte er dem frankophonen Blatt.

Zwischen Ironie und Empörung

Der Unternehmer betont, seine Wortwahl habe sich nicht gegen Menschen gerichtet, die unverschuldet arbeitslos wurden. Vielmehr habe er jene im Blick gehabt, die seiner Ansicht nach „vom System profitieren und es dennoch schaffen, sich ein schönes Auto oder ein Smartphone für 1.500 Euro zu leisten, während sie Arbeitslosengeld beziehen“.

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Einige Autofahrer quittierten das Kennzeichen im Netz mit einem Daumen nach oben, andere äußerten deutliche Kritik. „Das nahm übertriebene Ausmaße an“, so der Mann.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte offenbar auch die Kombination aus leistungsstarkem Audi und provokanter Botschaft. „Ich wurde regelmäßig kontrolliert. Das erste Foto, das in sozialen Netzwerken auftauchte, wurde übrigens von Polizisten gemacht, die mich routinemäßig verfolgten.“

Nach rund eineinhalb Jahren zog er Konsequenzen. „Ich habe gezögert, die ‚Plaque‘ zu behalten, weil ich noch andere Fahrzeuge habe. Letztlich habe ich mich aber für die Löschung entschieden. Außerdem habe ich noch ein zweites personalisiertes Nummernschild, das deutlich diskreter ist.“

Rasch neu vergeben

Lange blieb „Chomeur“ jedoch nicht verfügbar. Bereits am 4. Februar wurde die Kombination erneut reserviert – diesmal für einen BMW.

<p>Die Nummerntafel „Chomeur“ ist inzwischen an einem BMW angebracht.</p>
Die Nummerntafel „Chomeur“ ist inzwischen an einem BMW angebracht. | Foto: privat

Wer mit ähnlicher Provokation liebäugelt, stößt derzeit noch auf freie Varianten. Begriffe wie „Chomdu“ (umgangssprachlich für „Arbeitslosen“), „Cpas-1“ (entspricht dem ÖSHZ in Ostbelgien) oder „Glandeur“ („Faulenzer“) sind laut Online-Abfrage weiterhin möglich. Andere Ausdrücke wie „Racaille“ („Abschaum“) oder „Connard“ („Arschloch“) werden hingegen bereits im ersten Prüfschritt abgelehnt.

Seit dem vergangenen Jahr wird die Vergabe personalisierter Kennzeichen strenger überwacht. Drei KI-gestützte Systeme unterstützen die Beamten des föderalen Mobilitätsministeriums. „Die Kombinationen sind auf acht Zeichen begrenzt. Sie dürfen keine fremdenfeindlichen, rassistischen, homophoben oder politischen Aussagen enthalten“, erklärt Sprecherin Charlotte Vanden Branden.

Wird eine Nummer freiwillig gelöscht, kann sie erneut vergeben werden. Anders verhält es sich bei Diebstählen – solche Kombinationen bleiben dauerhaft gesperrt. So ist etwa „Namur“ seit 2017 nicht mehr zulässig.

Weiter hohe Nachfrage

Das Interesse an personalisierten Kennzeichen bleibt ungebrochen. 2025 wurden 14.678 Kombinationen reserviert – nach 13.538 im Jahr 2024 und 13.286 im Jahr 2023. Seit Jahresbeginn wurden bereits 1.656 neue Anträge gestellt.

„Die Person hat sechs Monate Zeit, die 1.000 Euro für die Reservierung zu bezahlen. Die Zulassung muss anschließend innerhalb von vier Monaten erfolgen, sonst wird die Kombination wieder gelöscht“, so Charlotte Vanden Branden.

Der Fall „Chomeur“ zeigt einmal mehr: Personalisierte Kennzeichen sind längst mehr als Spielerei – sie sind Ausdruck von Humor, Provokation und mitunter auch gesellschaftlichem Spannungsfeld. (calü)

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