Von Krämpfen ausgebremst, hat Raphaël Collignon bei den Australian Open aufgeben müssen. „Ich bin sehr enttäuscht“, reagierte der Weltranglisten-72. nach seinem Erstrundenaus gegen den Italiener Lorenzo Musetti (ATP 5). Mehr als drei Stunden standen in der Mittagshitze von Melbourne bereits auf der Uhr, als Collignon beim Stand von 4:6, 7:6 (7/3), 7:5, 3:2 für Musetti den Schläger weglegte. „Ich hatte die Waffen zum Sieg. Das hat man im ersten Satz gesehen, und auch im zweiten habe ich ihn gebreakt. Dennoch hat er ganz schön viel Intensität auf den Platz gebracht. Ich bin es nicht gewohnt, gegen einen in einer solchen Hitze so frischen Spieler anzutreten“, gab der Lütticher zu.
Zum ersten Mal überhaupt stand Collignon bei den Australian Open im Hauptfeld, zog mit dem letztjährigen Halbfinalisten von Roland Garros gleich ein schweres Los. „Ich habe schon starke Gegner geschlagen. Lorenzo ist immerhin Weltranglistenfünfter, und das Match befand sich auf Messers Schneide. Deshalb werden wir nach Lösungen suchen, um körperlich noch ein wenig stärker zu werden.“
Musetti, der 2024 mit Italien den Davis Cup gewonnen hatte, haderte zu Beginn der Partie ungewohnt viel – nach dem knappen Gewinn des zweiten Satzes fühlte er sich aber sichtlich wohler auf dem Platz. „Eine große Runde Applaus für Raphaël, der ein großes Match gezeigt hat“, sagte Musetti im Anschluss: „Ich habe ein bisschen gestrauchelt, aber dann habe ich einen guten Tie-Break gespielt und mein Level gesteigert.“ In der zweiten Runde wartet nun sein Landsmann Lorenzo Sonego.
Bereits am Sonntag war Alexander Blockx (ATP 96) ausgeschieden, kurz nach Collignon folgte mit Zizou Bergs der dritte und letzte Belgier. Der Weltranglisten-43. unterlag dem Polen Hubert Hurkacz (ATP 6) in einem vor allem am Anfang dramatischen Match mit 6:7 (6/8), 7:6 (8/6), 6:3, 6:3 und schaffte es zum vierten Mal in Folge nicht über die erste Runde hinaus. Somit ist einzig Elise Mertens bei den Damen noch im Einzel vertreten, die Limburgerin hatte sich am Montag für die zweite Runde qualifiziert.
Der letztjährige Halbfinalist Ben Shelton aus den USA ist ebenfalls auf einem guten Weg. Gegen den Franzosen Ugo Humbert war der Weltranglistensiebte in den entscheidenden Phasen zur Stelle. Er siegte letztlich glatt mit 6:3, 7:6 (7:2), 7:6 (7:5). Schon ausgeschieden ist hingegen Joao Fonseca. Das brasilianische Toptalent (19) war aufgrund von Rückenproblemen ohne Matchpraxis im neuen Jahr nach Melbourne gereist – gegen Eliot Spizzirri (USA) war er beim 4:6, 6:2, 1:6, 2:6 am Ende chancenlos.
Mission Titel-Hattrick: Sinner startet erfolgreich
Erfolgreicher Auftakt auf der Mission Titel-Hattrick: Jannik Sinner hat in seinem Erstrundenmatch in Melbourne nichts anbrennen lassen. Der Weltranglistenzweite aus Südtirol, der die vergangenen beiden Ausgaben der Australian Open gewonnen hat, profitierte am Mittwoch gegen Hugo Gaston beim Stand von 6:2, 6:1 von einer Aufgabe des Franzosen und war nach 68 Minuten bereits durch. „Ich bin wirklich froh, wie ich heute losgelegt habe“, sagte Sinner: „Ich habe ein bisschen Anspannung verspürt. Aber jetzt ist es auch die Zeit, diese Momente nach all' der harten Arbeit im Training zu genießen.“
Sinner peilt in der australischen Metropole seinen fünften Grand-Slam-Titel an – zugleich würde er sich in weiteren Kategorien in die Geschichtsbücher der Sportart eintragen. Der Italiener kann der fünfte Profi in der Geschichte des Profitennis seit 1968 werden, der drei Titel beim Highlight Down Under gewinnt. Neben Turnier-Rekordsieger Novak Djokovic (10 Titel), Roger Federer (6) und Andre Agassi (4) schaffte dies auch Mats Wilander (3). Zudem wäre Sinner der vierte Spieler in der langen Turnierhistorie, der mindestens dreimal hintereinander am Yarra River triumphiert hat. Bis dahin ist es für den großen Konkurrenten von Carlos Alcaraz aber noch ein langer Weg.
Satzbälle abgewehrt: Keys kämpft sich in die zweite Runde
Erst gewackelt, dann überzeugt: Madison Keys ist nach einem holprigen Start erfolgreich in ihre Titelverteidigungsmission bei den Australian Open gestartet. Gegen die Ukrainerin Oleksandra Olijnykowa musste sie beim 7:6 (8:6), 6:1 aber zwei Satzbälle abwehren.
„Ich bin so glücklich, wieder in Melbourne zu sein. Natürlich war ich zu Beginn sehr nervös“, gestand Keys im Anschluss. Beim Stand von 4:6 im Tie-Break des ersten Durchgangs war sie zuvor kurz vor einem Satzverlust gestanden. Bei den folgenden vier Ballwechseln aber spielte Keys ihr bestes Tennis und ließ Olijnykowa keine Chance. Anschließend spazierte sie locker zum Sieg. Vergangenes Jahr hatte die 30-Jährige in Melbourne ihren größten Karriereerfolg gefeiert. In einem hochklassigen Finale schlug Keys überraschend Aryna Sabalenka und verhinderte den dritten Erfolg der Belarussin bei den Australian Open in Folge.
Die Indonesierin Janice Tjen erreichte derweil einen Meilenstein. Die ungesetzte 23-Jährige schlug die Weltranglisten-23. Leylah Fernandez aus Kanada mit 6:2, 7:6 (7:1) und schaffte damit Historisches. Sie ist nun die erste Indonesierin seit Yayuk Basuki 1998, die ein Match bei einem Grand-Slam-Turnier gewonnen hat. (belga/sid/tf)

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