„Wir leben in einer Zeit, in der wir uns viele Fragen über den Zustand unserer Welt stellen“, sagte der König eingangs. Viele Menschen machten sich Sorgen um die Zukunft, weshalb er bewusst über das Gemeinwohl sprechen wolle. Dieses „gehört uns allen“ und ermögliche „ein würdiges, sicheres Zusammenleben in einer gesunden und gerechten Welt“.
Das Gemeinwohl müsse im Mittelpunkt politischen Handelns stehen, auch wenn dies schwierige Entscheidungen erfordere, mahnte der Monarch. Zugleich warnte er davor, dass es zunehmend „in den Hintergrund gedrängt oder sogar verleugnet wird, zugunsten von persönlichen Interessen“.
Ein zentraler Aspekt des Gemeinwohls sei der Schutz des Planeten. Mit Blick auf die internationale Klimapolitik verwies König Philippe auf die jüngste Weltklimakonferenz in Belém. Diese habe zwar „nicht alle Erwartungen erfüllt“, dennoch setze sich die internationale Gemeinschaft weiterhin „unvermindert für den Klimaschutz ein“. Die Bemühungen der vergangenen zehn Jahre zeigten erste Erfolge. Als wichtigen Schritt bezeichnete er die Anerkennung der tropischen Regenwälder als globales Gemeingut – unter anderem im Kongobecken –, das für den Kampf gegen den Klimawandel und den Erhalt der Artenvielfalt von entscheidender Bedeutung sei.
Deutlich wurde der König auch mit Blick auf Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei der Kontinent auf einem Friedensprojekt aufgebaut worden, das Wohlstand gebracht habe. Dieser Frieden – „unser kostbarstes gemeinschaftliches Gut“ – werde heute jedoch „durch brutale Machtgier bedroht, insbesondere in der Ukraine“. Belgien unterstütze das ukrainische Volk weiterhin „stark und entschlossen“. Nun sei es entscheidend, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union solidarisch handelten: „Wir dürfen uns nicht auseinanderbringen lassen. Gemeinsam sind unsere Demokratien viel widerstandsfähiger, als manchmal angenommen wird.“
Auch innenpolitische Themen griff der Monarch auf. Die kürzlich abgeschlossenen Haushaltsverhandlungen der Föderalregierung sollten dazu beitragen, die öffentlichen Finanzen zu sanieren und gleichzeitig das Sozialmodell zu bewahren. Er räumte ein, dass ein solch komplexer Prozess zwangsläufig Debatten und Spannungen auslöse. „In dieser Materie gibt es kein Wundermittel und keine eindeutige Lösung“, sagte der König und rief zur Wachsamkeit bei der Umsetzung der Maßnahmen auf, damit die Solidarität weiterhin jenen zugutekomme, „die sie am dringendsten benötigen“.
Besonders eindrücklich schilderte König Philippe seine Begegnungen mit Menschen in Brüssel, die sich tagtäglich für das Gemeinwohl einsetzen – von Nachbarschaftsinitiativen über Pflegepersonal bis hin zu Polizeibeamten und Mitarbeitern der öffentlichen Reinigungsdienste. Viele von ihnen engagierten sich „manche sogar auf heldenhafte Weise“, fühlten sich jedoch angesichts ihrer schwierigen Arbeitsbedingungen zunehmend entmutigt und im Stich gelassen. Verschärft worden sei diese Situation durch die lange Dauer der Brüsseler Regierungsbildung. Angesichts der Dringlichkeit der Herausforderungen forderte der König die Verhandlungsführer auf, „endlich eine Einigung über ein Programm zu erzielen, das dem Gemeinwohl dient“.
Zum Abschluss seiner Ansprache erinnerte König Philippe an die verbindende Kraft der Weihnachtszeit. „In schwierigen Zeiten stärkt die Sorge um das Gemeinwohl unsere Einheit“, sagte er. Abschließend übermittelte er die traditionellen Festtagsgrüße: „Meine Gattin, die Königin, und unsere Kinder schließen sich mir an, um Ihnen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr zu wünschen.“

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