Trotz leichtem Rückgang: Hunderte Häftlinge schlafen weiter auf dem Boden

<p>In Belgien gibt es derzeit 614 Bodenschläfer.</p>
In Belgien gibt es derzeit 614 Bodenschläfer. | Foto: belga

Derzeit müssen 614 Gefangene auf dem Boden schlafen. Gegenüber dem Höchststand vom 15. Dezember (672 Bodenschläfer) ist das ein Rückgang um 58 Personen beziehungsweise knapp neun Prozent. Dennoch bleibt das Niveau außergewöhnlich hoch.

Besonders betroffen ist Flandern, wo 339 Häftlinge in zehn Haftanstalten auf Matratzen am Boden schlafen. Die höchsten Zahlen verzeichnen Antwerpen (59), Hasselt (48), Dendermonde (47), Ieper (47) und Gent (41). Auch in Brügge (34), Oudenaarde (22), Turnhout (22), Löwen-Hulp (11) und Mechelen (8) ist die Situation angespannt.

In der Wallonie gibt es 217 Bodenschläfer in neun Gefängnissen. Besonders stark betroffen sind Leuze, Marche und Mons mit jeweils 38 Personen. Weitere Fälle werden aus Nivelles (28), Tournai (25), Namur (18), Jamioulx (16), Arlon (14) und Lantin (2) gemeldet.

In der Region Brüssel schlafen 58 Gefangene im Gefängnis von Haren auf dem Boden.

Die Generaldirektion der Strafvollzugsanstalten relativiert den jüngsten Rückgang. Nach Angaben der Verwaltung handelt es sich um ein jährlich wiederkehrendes Phänomen: Während der Weihnachtszeit sinken die Gefangenenzahlen traditionell leicht, um anschließend wieder anzusteigen. Von einer strukturellen Verbesserung könne daher keine Rede sein.

Auch die Gewerkschaften bleiben alarmiert. ACOD, dem flämischen Pendant der CGSP, kritisiert scharf das Ausbleiben politischer Entscheidungen. Sollte es keine konkreten Maßnahmen geben, zeige dies, so die sozialistische Gewerkschaft, dass die Regierung De Wever grundlegende gesetzliche Vorgaben – insbesondere das Grundlagengesetz für Gefangene – nicht ausreichend respektiere. Die Folge sei ein wachsender Druck auf Häftlinge und Gefängnispersonal, der die ohnehin prekäre Situation weiter eskalieren lassen könnte. (belga/calü)

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