Dritter Sieg in Folge, Sprung auf Platz fünf, rechtzeitig vor Weihnachten angekommen in der anvisierten Play-offs-Region: Eigentlich hätten die „Pandas“ den Donnerstagabend als einen der schönsten der bisherigen Saison abspeichern können. Stattdessen beherrschte nicht etwa das Sportliche die Gespräche, sondern das, was in der halben Stunde nach Abpfiff passierte. Angestachelt von einem Trainer Stijn Stijnen, der einmal mehr seine berüchtigten Emotionen nicht unter Kontrolle behielt, beschwerten sich die Gastgeber vehement über die Schiedsrichterleistung. AS-Teammanager Michael Radermacher versuchte zu schlichten und wurde von einem Co-Trainer der Hausherren zu Boden gestoßen.
Auf beiden Seiten kam es zu Handgreiflichkeiten, in den Katakomben eskalierte die Situation, als sich Patro-Verantwortliche Zugriff zur Eupener Kabine verschaffen wollten. Die Polizei rückte an und verbarrikadierte die Gäste. „Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der AS Eupen wurden von Offiziellen des Heimatvereins tätlich angegriffen“, schreiben die Ostbelgier einige Stunden später. Erst als sich die Lage beruhigt hatte, wurden sie, von Stewards begleitet, durch einen anderen Ausgang zum Mannschaftsbus geführt. Dabei seien sie Beleidigungen der Heimfans ausgesetzt gewesen, wie eine Mitarbeiterin berichtet. An der Pressekonferenz nach dem Spiel konnten die Eupener nicht teilnehmen, auch Interviews mit den Spielern waren nicht möglich. Einzig Patro Eisdens Trainer Stijn Stijnen erschien im Medienraum und erhob neben fragwürdigen Aussagen über den Schiedsrichter und den eigenen Verein Vorwürfe in Richtung AS, da Generaldirektor Christoph Henkel Mitglied in der Schiedsrichtervereinigung ist. „Zum Verständnis möchten wir erwähnen, dass das Pro Ref Committee sich aus Vertretern der Schiedsrichter, den Geschäftsführern der Pro League und des belgischen Fußballverbandes sowie Vertretern der Vereine aus der ersten und zweiten Liga zusammensetzt und dort die Zusammenarbeit und Weiterentwicklung des Schiedsrichterwesens diskutiert wird. Ein Gremium eben, wie es in den Strukturen üblich und sinnvoll ist“, erklären die Eupener. Den Ärger der Limburger hatte der Unparteiische vor allem in der ersten Viertelstunde nach der Pause auf sich gezogen. Logan Delaurier-Chaubet verwandelte einen mindestens diskutablen Elfmeter zur 1:0-Führung, später seien noch weitere Entscheidungen fälschlicherweise gegen seine Mannschaft ausgefallen, erklärte Stijn Stijnen. „Im Übrigen könnte man auch die Auffassung vertreten, dass ein weiterer Elfmeter für die AS Eupen sowie zwei Rote Karten gegen Patro Eisden hätten gegeben werden können oder müssen“, reagieren die „Pandas“ nach einem Spiel, das lange, bis zu Delaurier-Chaubets Strafstoß in der 51. Minute, auf sein erstes richtiges Highlight warten musste. Zur Erinnerung: In der Challenger Pro League kommt kein VAR zum Einsatz.

In Bezug auf die Schiedsrichterleistung sprach Stijn Stijnen während der Pressekonferenz von einer „Schande für den belgischen Fußball“. Auf der Vereins-Website wird er seit Freitagmorgen mit den Worten zitiert: „Man kann viel über gestern sagen, und noch mehr über die Umstände. Aber manchmal gibt es solche Spiele, bei denen das Publikum das für einen übernimmt. Ich werde das nicht weiter ausschmücken. Jeder hat es miterlebt.“ In den letzten Sekunden der Partie hatte Patro Eisden noch einen Handelfmeter gefordert. Der Ball war dem eingewechselten Gabriel Barès jedoch nur an den Oberschenkel gesprungen, wie die Bilder von DAZN zeigen. Wegen heftigen Protestierens flog Léandro Rousseau ebenso vom Platz wie Assistenztrainer Henk Dijkhuizen nach seinem Schubser gegen Michael Radermacher. „Wir würden normalerweise mit gebührendem Humor auf die Anschuldigungen reagieren“, führt die AS Eupen aus: „Ebenso würden wir Verständnis für das Gefühl zeigen, sich unberechtigt behandelt zu fühlen. Eigene Erfahrungen gibt es tatsächlich in der Vergangenheit genügend dazu. Wir sind uns sicher, dass dies für jeden Club gilt. In diesem Fall ist jedoch ein ernsthafter Hintergrund zu betrachten, der in keinem Fall unseren Werten entspricht und den wir entschieden zurückweisen. Stijn Stijnen hat durch systematische Provokationen selbst entscheidend zur Eskalation beigetragen, und er instrumentalisiert darüber hinaus Spieler, Staff, Mitarbeiter und Zuschauer. Als Führungsperson sollte man sich seiner Wirkung bewusst sein und deeskalieren, alle sportlichen Mittel auf dem Platz einsetzen und nicht darüber hinaus.“ (red/tf)

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