Das Zentrum fungiert als unabhängiger nationaler Berichterstatter zu Menschenhandel. Im aktuellen Bericht liegt der Schwerpunkt auf den psychischen Belastungen, die Opfer häufig über lange Zeit begleiten. Sie reichen von körperlichen und seelischen Beschwerden hin zu gravierenden Störungen wie posttraumatischem Stress, Depressionen, Angstzuständen oder Abhängigkeitserkrankungen. Diese Belastungen beeinflussen oft die Fähigkeit der Betroffenen, an Strafverfahren teilzunehmen und kohärente Aussagen zu machen.
Myria sieht auch positive Entwicklungen.
Nach geltender Regelung erhalten Opfer eine 45-tägige Schutz- und Erholungsphase. Myria betont jedoch, dass diese Frist für manche Menschen zu kurz sei, um in einem stabilen Zustand eine fundierte Entscheidung zu treffen. Viele Akteure berücksichtigten zwar bereits die besondere Situation der Betroffenen. Laut Bericht nehmen Polizei und Inspektionsdienste bei Vernehmungen Rücksicht auf deren Vulnerabilität, hören aufmerksam zu und achten auf nonverbale Signale. Speziell ausgestattete Räume für besonders schutzbedürftige Opfer und ein größerer zeitlicher Rahmen bei Verhören tragen ebenfalls dazu bei, sekundäre Viktimisierung zu vermeiden. Als positiv wertet Myria zudem, dass Ermittler Widersprüche in Aussagen nicht vorschnell als unglaubwürdig einstufen. Gleichzeitig fordert das Zentrum eine intensivere Sensibilisierung und Schulung aller beteiligten Dienste, um den psychologischen Folgen und spezifischen Bedürfnissen der Opfer noch besser gerecht zu werden.
Die Zahlen für das vergangene Jahr zeigen die anhaltende Relevanz des Problems. Die Polizei registrierte 346 Verstöße im Zusammenhang mit Menschenhandel und 176 Fälle von Menschenschmuggel. Bei den Staatsanwaltschaften gingen 355 Verfahren wegen Menschenhandel und 138 wegen Menschenschmuggel ein. Die spezialisierten Unterstützungszentren erhielten 1.558 Meldungen, aus denen 152 Begleitungen entstanden. In 142 Fällen handelte es sich um Opfer einer oder mehrerer Formen von Ausbeutung, vor allem wirtschaftlicher oder sexueller Art. Unter ihnen befanden sich auch Minderjährige. (belga/svm)

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