Die Gesichtslosen

Lieber Marcel, ich lese Deine nachdenklichen Stellungnahmen immer mit Interesse. Offen bleibt die kritische Frage, welche kirchliche Behörde die Entstellung der Krippenfiguren auf der Grand-place in Brüssel genehmigt hat und mit welcher Begründung? Wann wird als Höhepunkt der Passion dem Gekreuzigten das Antlitz zerstört? Doch leben wir nicht in einer Wendezeit? Das Christfest gerät zum „plaisir d’hiver“. Weihnachtsverkäufer stellen ihr Lametta schon um Allerheiligen aus. Die Heiligen der stillen Nacht werden als Gesichtslose vorgeführt. Der Kopf von Jesus wird gestohlen. Musste erst der freidenkende Herr Bouchez kommen, um sich darüber zu entrüsten. In Deutschland wurde eine gebärende Maria im gynäkologischen Großformat in einer Kirche ausgestellt. Sogar der geschätzte „Nussknacker“ zeigt zum Hochfest preisgünstig den „Stinkefinger“. „Leise rieselt der Schnee“ lieben die Kinder zu singen, doch ist zu befürchten, dass den Christen aller Konfessionen und andersdenkenden toleranten Menschen bald der Weltraumschrott um die Ohren rieselt, „die heiligste Nacht“ unter Flutlicht stattfindet und die Brüsseler Krippenfiguren auf KI-Knopfdruck unter der Gürtellinie zu sehen sind.

Kommentare

  • Scheinbar kennt Herr Derwahl, der doch so inbrünstig und mit viel Pathos seinen Aberglauben verteidigt, nicht einmal den eigenen kriminellen Verein, dem er sich verschrieben hat, sonst wüsste er, dass diese Krippe von nicht weniger als dem Dekan der Kathedrale von Brüssel (St. Michael und St. Gudula) höchstpersönlich gutgeheißen wurde...!

  • Herr Derwahl stellt „die kritische Frage, welche kirchliche Behörde die Entstellung der Krippenfiguren auf der Grand-place in Brüssel genehmigt hat und mit welcher Begründung.“
    Herr Derwahl sollte wissen, dass es für die Aufstellung einer Krippe auf Privateigentum oder wie in Brüssel auf einem öffentlichen Platz weder im Vorab noch im Nachhinein erforderlich ist, das Placet einer kirchlichen Inquisition einzuholen.

    Der letzte Teil seines Beitrages gerät zu einer eifernden Abrechnung, in der er alles mit allem verquirlt. Vom Himmel „um die Ohren rieselnder“ (?) Weltraumschrott und leise rieselnder Schnee, ein „geschätzter“ („heiliger“?) Nussknacker mit „Stinkefinger“ und der gestohlene Kopf des Jesuskindes. Krippenfiguren, denen „bald auf KI-Knopfdruck unter die Gürtellinie“ geschaut werden könnte. Geht’s noch?

    Und dies hier: „In Deutschland wurde eine gebärende Maria im gynäkologischen Großformat in einer Kirche ausgestellt.“
    Wie eine kleine Recherche auf Google ohne Mühe ergab, war das schon Anfang Juli 2024, also nicht jetzt und auch nicht in Deutschland, diesem Sodom und Gomorrha, sondern im erzkatholischen Österreich, genauer gesagt in Linz, wo die Skulptur einer gebärenden Frau im dortigen Dom „im gynäkologischen Großformat“ ausgestellt wurde.
    Wer Näheres erfahren will:
    „Wieso verstört die Abbildung einer Frau bei der Geburt?“ und „Künstlerin zu geköpfter Maria: Ausdruck patriarchaler Gewaltbereitschaft" - Ein Interview mit der Künstlerin. (Beides in Der Standard vom 04.07.2024)
    Die angeschlossenen Foren bringen durchaus kontroverse Ansichten. Einfach googeln !
    Interessant, die Reaktion dort wie hier: beide Skulpturen wurden vandalisiert !

    PS Die erste Version dieses Beitrages wurde wohl irrtümlich unter "EU will russische Vermögenswerte anzapfen." eingesandt.
    Ich möchte die Redaktion bitten, ihn nicht zu bringen bzw. zu löschen.

  • Es ist ganz schön traurig, dass wir uns im vermeintlich aufgeklärten 21. Jahrhundert damit konfrontiert sehen, was aus politischen Opportunismus (Bouchez) oder religiösem Eifertum mal wieder an reaktionären „Gedanken“ auf den Marktplatz getragen wird.

    Haben Politiker und/oder christliche Apologeten wirklich nichts Besseres zu tun, als sich an der Frage aufzureiben, welche Antlitze Figuren in einer Weihnachtskrippe haben sollen/dürfen/ müssen?

    Warum ziehen vermeintliche Religionskenner nicht einfach das 2. (in manchen Konfessionen auch das 3. Gebot) zu Rate, in dem es eingangs heißt:

    „Du sollst dir kein Bildnis machen“.

    Zugegeben gibt es in der christlichen Exegese (in Wirklichkeit Eisegese) zahlreiche Interpretation dieses Gebotes. So, wie es halt gerade passt.
    Die rein wörtliche Auslegung, Gott nicht bildlich darzustellen (so wie dies im Islam gilt, was so manchem Zuwiderhandelnden schon den Kopf gekostet hat) könnte man doch zur Interpretation der Brüsseler Krippenfiguren auf die gesamte christliche Sippschaft anwenden und der Streit wäre gar nicht erst entstanden?

    Dass die „Gesichtslosen“ in Absprache und mit Einwilligung der kirchlichen Würdenträger in Brüssel entstanden sind und es sich - wie bei allen künstlerischen Darstellungen religiöser Motive - um künstlerische Interpretationen handelt, muss die Eiferer nicht stören. Es geht ihnen hier ja auch weder um Verstehen noch um künstlerische Freiheit, sondern allein darum, sich mal wieder zu entrüsten, wenn jemand es wagt, ihre religösen Empfindungen zu triggern.

    Dazu reicht offensichtlich schon eine gesichtslose Stoffpuppe.

    Ginge es Ihnen tatsächlich um religiöse Tradition oder Glaubensinhalte, wie wäre es, sich einmal in Gänze mit dem 2. Gebot auseinanderzusetzen:

    „Du sollst dir kein Bildnis machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
    Du sollst dich nicht vor ihnen niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott: Ich suche die Schuld der Väter an den Kindern heim, an der dritten und vierten Generation, bei denen, die mich hassen; doch ich erweise Tausenden meine Huld bei denen, die mich lieben und meine Gebote bewahren.“

    An wen erinnert dieses… „göttliche“ eifersüchtige, rachsüchtige, intolerante und gänzlich unethische und unmoralische Gebrabbel bezogen auf die heutige weltpolitische Lage noch?

    Richtig! Nicht umsonst wird er von Evangelikalen in den USA und zahlreichen Maga-Aktivisten als neuer Messias verehrt.

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