Themenabend des LSZ im Triangel beleuchtet ethische Konflikte in der Lebensmittelproduktion

<p>Dr. Christian Dürnberger</p>
Dr. Christian Dürnberger | Foto: Thomas Suchanek-Vetmeduni Vienna

Christian Dürnberger ist Doktor der Philosophie und arbeitet als Universitätsassistent am Messerli Forschungsinstitut an der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit den Schwerpunkten „Ethik in der Veterinärmedizin“ und „Ethik in der Landwirtschaft“. Er ist Autor mehrerer Bücher wie „Ethik für die Landwirtschaft“ oder „Moralische Herausforderungen der Veterinärmedizin in der Nutztierhaltung“. „Alles wird Glut“ schildert satirisch die Begegnung eines Bauern mit einer Klimaaktivistin.

Landwirte sollen heute nicht mehr „nur“ Qualitätsprodukte in ausreichender Menge produzieren, sie sollen auch ihrer besonderen Verantwortung für Umwelt, Klima und Tiere nachkommen. Daraus ergeben sich Zielkonflikte, denn allen Zielen vollumfänglich gerecht zu werden und dabei noch leistbare Nahrungsmittel zu produzieren, ist eine Zerreißprobe. Der ethische Konflikt, der für die größte Kontroverse und Emotionalität sorgt, liegt laut Christian Dürnberger in der Grundsatzfrage: Dürfen wir Tiere halten, um sie zu schlachten? Hier treffen in unserer Gesellschaft moralische Grundüberzeugungen aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Wenn einem durchschnittlichen Bürger heute ein hochtechnisierter landwirtschaftlicher Betrieb gezeigt wird, in dem die Robotik alles erledigt, werde er sagen: „So wünsche ich mir Landwirtschaft eigentlich nicht.“ Warum? Weil Landwirtschaft – im Unterschied zu anderen Branchen – oftmals mit einer gewissen Ursprünglichkeit und Beschaulichkeit assoziiert werde. Das nennt Christian Dürnberger das „landwirtschaftliche Idyll“. Diese Romantisierung der Landwirtschaft hat Vorteile, immerhin funktioniert sei wunderbar im Marketing. Aber sie sei auch ein Stolperstein, denn: Schaut gegenwärtige Landwirtschaft wirklich so aus wie im Bilderbuch? Treibt die Idyllisierung im Marketing die Entfremdung noch voran? Es sei demnach darüber zu reflektieren, ob die Inszenierung der Landwirtschaft als Idylle nicht auch kontraproduktive Konsequenzen hat. Dass ein neuer, großer, moderner Stall von vielen Menschen automatisch als weniger tiergerecht beurteilt werde als ein kleiner sei wohl nicht zuletzt als ein Resultat derartiger Bilderwelten zu verstehen. (red/nc)

Weitere Informationen zur Veranstaltung: www.lsz-ostbelgien.be

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment