Formal war Marie Stassen zwar nie Mitglied der Partei (ehemals CDH jetzt Les Engagés), ihr kommunalpolitisches Bündnis OCP wurde jedoch stets als Les-Engagés-nah wahrgenommen. „Mein Verhältnis zur Partei war nicht fest verankert. Ich hatte nie ein Mitgliedsbuch, habe mich nie aktiv engagiert, aber man hat mir dieses Etikett zugeschrieben. Jetzt habe ich mich völlig frei gefühlt, den Schritt zu gehen. Sogar, indem ich die WhatsApp-Gruppen verlassen habe, in die man mich gesetzt hatte“, wird sie zitiert.
Marie Stassen, die neben ihrem Mandat als Schöffin auch als Lehrerin arbeitet, bezeichnet die aktuellen Regierungsmaßnahmen als „realitätsfern“. Besonders kritisiert sie die vorgesehene Arbeitszeit von 22 Wochenstunden in der Oberstufe: „Es fehlt jede Rücksprache mit den betroffenen Sektoren, vor allem mit dem Bildungswesen. Die Realität vor Ort wird völlig ignoriert, das ist ein absoluter Mangel an Respekt. Ich weiß, dass gespart werden muss, aber nicht auf diese Weise. Bildung ist grundlegend, daran darf man nicht rütteln.“ Auch andere Reformen wie die Verschärfung der Arbeitslosenregelungen, die Rückführung von Langzeiterkrankten in den Arbeitsmarkt oder die Ausweitung der Unterrichtsstunden lehnt sie ab: „Man greift Menschen an, deren Situation oft nicht verstanden wird. Ich habe den Eindruck, die Politik spielt das einfache Spiel, die öffentliche Meinung zu bedienen, die vorschnell urteilt.“
Politik sei vielfach abgekoppelt vom Alltag, bedauert Marie Stassen: „Ich habe immer gesagt, dass man nicht zu lange Politik machen sollte. Man muss zwischendurch wieder mit anpacken, um die Realität vor Ort zu spüren. Der ‚Pakt für Exzellenz‘ (umfassende Bildungsreform in der Französischen Gemeinschaft, A.d.R.) war umstritten, aber er verfolgte eine langfristige Vision über 15 Jahre. Das war eine durchdachte Reform, die man jetzt wieder zurückdreht. Veränderung macht Angst, manches hätte angepasst werden müssen, aber ich erkenne mich nicht mehr wieder in der Vision der Engagés, weder mit meinen sozialen noch mit meinen ökologischen Überzeugungen.“ Ihre Entscheidung habe keinen Einfluss auf die Ausübung ihrer kommunalpolitischen Funktionen, betonte sie. (sc)

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