Die Young Belgian Strings sind beim OstbelgienFestival längst ein vertrauter Klangkörper. Unter der Leitung von Dirk Van de Moortel vereint das 21-köpfige Streichorchester talentierte junge Musikstudierende aus ganz Belgien. Schon mehrfach waren sie beim ostbelgischen Klassikanbieter zu Gast, zuletzt im vergangenen Jahr im alten Schwimmbad in Kelmis.
Auch diesmal beeindruckten sie durch ansteckende Energie, großen Zusammenhalt und die Fähigkeit, den Kirchenraum mit lebendigem Klang zu füllen. Den Auftakt bildeten Piazzollas Cuatro Estaciones Porteñas. Der 1921 in Buenos Aires geborene Komponist revolutionierte mit dem Tango Nuevo die argentinische Musikszene, indem er Tango, klassische Harmonik, Jazz und Barockelemente verschmolz. Seine vier Tangos Verano, Otoño, Invierno und Primavera entstanden ursprünglich für Geige, Klavier, E-Gitarre, Kontrabass und Bandoneon. Sie spiegeln weniger das Wetter wider als die Lebensphasen der Porteños, der Bewohner Buenos Aires’. In der Bearbeitung von Leonid Desyatnikov für Solo-Violine und Streichorchester, die in Rocherath erklang, treten die subtilen Vivaldi-Bezüge besonders deutlich hervor.
Solist Guillaume Duby und die Young Belgian Strings entfesselten die kontrastreichen Themen eindrucksvoll: Drängende Tango-Rhythmen ließen den Raum vibrieren, während lyrische Passagen für musikalische Atempausen sorgten.
Zwischen den Sätzen applaudierten die Zuhörer spontan, sichtlich begeistert von Dynamik und Rhythmik der Musik.
Nach einer kurzen Pause widmete sich das Ensemble Max Richters Recomposed by Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons. Die Neukomposition verbindet Streicher und Cembalo mit elektronischen Klängen und verschmilzt barocke Motive mit modernen Techniken wie Loops und Sampling. Zwar bleibt das Werk maßgeblich durch die Melodien und Strukturen des Vivaldi-Klassikers geprägt, doch jeder Satz trägt die unverwechselbare Handschrift Richters: verdichtete Stimmführung und subtil eingesetzte elektronische Elemente kontrastieren mit der ursprünglichen barocken Klarheit.
Die Young Belgian Strings gestalteten die vielschichtige Musik eindrucksvoll und erzeugten Momente intensiver Spannung ebenso wie kontemplativer Ruhe.
Die junge Formation überzeugte durch grenzenlose Spielfreude und Lebendigkeit. Beide Werke erklangen mit einer Mischung aus Präzision und jugendlicher Unbekümmertheit, die das Publikum mitten ins Geschehen zog. Besonders Guillaume Duby überzeugte an der Geige durch nuancierte Tongebung, ausdrucksstarke Dynamik und technische Brillanz – stets in harmonischem Einklang mit dem Ensemble. (red/arco)

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