Laut der zuständigen Ministerin Lydia Klinkenberg prüfe man den „Community Land Trust“, eine Wortschöpfung, die aus dem Englischen ins Deutsche übernommen wurde und daher vom Wortlaut her für manche Lesende ziemlich unverständlich rüberkommen mag.
Es geht schlicht und einfach darum, ein Modell mit Zukunft zu gestalten: das eigene Haus auf fremdem Grund und Boden und Eigentum ohne Spekulation. Dieser Bodenreformgedanke ist nicht neu. Er greift die Vision und Forderung der zwei großen Denker und Sozialreformer Henry George aus Amerika und Silvio Gesell aus... St.Vith Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert wieder auf. Es geht um einen anderen Umgang mit Boden, der allen Menschen mit erschwertem Zugang zu Wohnraum das – laut Verfassung – zustehende Recht auf Wohnen ermöglicht und der Spekulation der Kapitalinteressen dauerhaft Grund und Boden entzieht.
Wir haben die Machbarkeit dieses Gedankens im Juni dieses Jahres in Oranienburg-Eden vor den Toren Berlins erlebt, in Gesprächen mit den Bewohnern die Vor- und Nachteile kennengelernt (siehe dazu auch GrenzEcho vom 18.06.2025 – „Wo Gesells Lehre auf fruchtbaren Boden fiel“) und sind überzeugt, dass dieses Modell ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Lösung des Wohnungsproblems ist. Deshalb stellten wir uns die Frage: „Warum schauen wir nicht genauer hin?“
Durch das Prüfen dieser Bodenreform hat die Ministerin einen Baustein ins Spiel gebracht, der sicherlich noch eine heftige Debatte in der Öffentlichkeit auslösen wird. Aber beim politischen Gestalten müssen doch mutig – über Parteigrenzen hinweg – alle Lösungswege auf den Prüfstand kommen.
Und wer weiß: St.Vith hat nach seinem großen Sohn Silvio Gesell schon 1962 eine Straße benannt und könnte jetzt die Debatte zu Gesells Zukunftsmodell eröffnen.
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