KI im Unterricht: Freie katholische Schulen verabschieden Charta

<p>An der BIB in Büllingen wird KI unter anderem im Informatikunterricht eingesetzt und ihr verantwortungsvoller Umgang reflektiert.</p>
An der BIB in Büllingen wird KI unter anderem im Informatikunterricht eingesetzt und ihr verantwortungsvoller Umgang reflektiert. | Foto: privat

An der Pater-Damian-Sekundarschule in Eupen ist Lehrerin Sabrina Emonts offen für Neues: Sie thematisiert regelmäßig Künstliche Intelligenz (KI) im Unterricht. So formuliert sie etwa Aufgaben, bei denen KI gezielt eingesetzt wird.

Beispiel Expressionismus: Hier entwickelten die Schülerinnen und Schüler zunächst detaillierte Prompts, um typische Farben, Formen und Ausdrucksweisen der Epoche in KI-generierten Bildern umzusetzen. Anschließend reflektierten sie kritisch, wie nah die Ergebnisse an ihre Vorstellungen herankamen und wo die KI eigene Wege ging. Solche Beispiele zeigen das Potenzial von KI im Unterricht. Gleichzeitig stellen sie Schulen vor drängende Fragen: Welche Chancen wollen wir nutzen? Wo müssen Grenzen gezogen werden? Und wie schützen wir dabei die Daten der Schülerinnen und Schüler? Um dafür Orientierung zu geben, haben die freien katholischen Schulen in der DG Anfang September eine KI-Charta verabschiedet. Diese formuliert ethisch-pädagogische Leitlinien und rechtliche Orientierung für den Umgang mit KI-Werkzeugen. Sie stellt klar: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt, die pädagogische Verantwortung bleibt bei den Lehrpersonen. KI darf beispielsweise helfen, Lernprozesse individuell zu fördern und Vielfalt zu berücksichtigen, sie kann aber niemals Empathie, Beziehung und Wertevermittlung ersetzen und soll auch nicht das eigenständige Denken verdrängen. Zudem verankert die Charta rechtliche Grundlagen wie Datenschutz, Urheberrecht und die EU-KI-Verordnung.

<p>In einem Workshop haben der Schulträger und die Schulleiter der freien katholischen Schulen die neue KI-Charta erarbeitet. Hier im Bild zu sehen: Marie Kever, Schulleiterin der PDS Eupen, und Marc Peters, Schulleiter der BS St.Vith.</p>
In einem Workshop haben der Schulträger und die Schulleiter der freien katholischen Schulen die neue KI-Charta erarbeitet. Hier im Bild zu sehen: Marie Kever, Schulleiterin der PDS Eupen, und Marc Peters, Schulleiter der BS St.Vith. | Foto: privat

Mit der Verabschiedung dieser Charta nehmen die freien katholischen Schulen in Ostbelgien nach eigenen Angaben eine Vorreiterrolle ein. „KI ist in unserer Welt angekommen und unsere Schulen beschäftigen sich damit. Der eine sieht darin eine Chance, der andere möchte so wenig wie möglich damit zu tun haben. Mit der Charta setzen wir einen Rahmen, der Menschlichkeit und Verantwortung in den Mittelpunkt stellt“, sagt Cécile Piel, Co-Geschäftsführerin des Schulträgers.

Wie unterschiedlich der Umgang mit KI aussehen kann, zeigt sich im Unterricht: In der Pater-Damian-Grundschule in Eupen etwa haben Schülerinnen und Schüler der Begabtenförderung ein eigenes KI-Modell gefüttert, beobachtet, wie es daraus lernte – und zugleich erkannt, wo Fehler entstehen und welche Grenzen solche Maschinen haben. „Genau darum ging es: die Mechanismen von KI zu verstehen und kritisch mit Ergebnissen umzugehen“, so die Logopädin Sabrina Sisterman.

Am Bischöflichen Institut Büllingen ist KI in der Studienrichtung Informatik mittlerweile unverzichtbar. So wird dort beispielsweise Bildgenerierung eingesetzt, um zu demonstrieren, dass KI-Systeme teilweise Vorurteile übernehmen können – ein Impuls zur Förderung des kritischen Denkens. In einem kommenden Projekt werden die Schüler zudem virtuelle Assistenten programmieren, also interaktive Chatsysteme, die auf Eingaben reagieren und Aufgaben automatisiert erledigen können.

<p>ChatGPT im Unterricht: Die freien katholischen Schulen in Ostbelgien haben eine Charta verabschiedet, die Leitlinien für den Umgang mit KI vorgibt.</p>
ChatGPT im Unterricht: Die freien katholischen Schulen in Ostbelgien haben eine Charta verabschiedet, die Leitlinien für den Umgang mit KI vorgibt. | Illustration: picture alliance/dpa

Ganz anders sieht es Siggi Richter, Lehrer an der Bischöflichen Schule in St.Vith. Für ihn ist der Einsatz von KI im Unterricht keine Option: „Verantwortungsvoll mit KI umgehen, heißt, auf sie zu verzichten – nicht nur aus politischen oder ökologischen, sondern vor allem aus pädagogisch-philosophischen Gründen“, betont er. Die Schule sei ein Ort, an dem eigenständiges Denken und Kreativität im Mittelpunkt stehen. „Dazu braucht es echtes Selbstvertrauen und das entsteht nur aus dem, was man selbst gedacht und erschaffen hat – aus der natürlichen Intelligenz. Denn die Sterne unseres Glücks liegen in uns selbst“, erinnert er mit einem Zitat von Heinrich Heine.

Beide Haltungen finden in der neuen KI-Charta ihren Platz. „Die Charta setzt den Rahmen, sie versteht sich als Kompass: Sie zwingt niemanden zur Nutzung von KI, zeigt aber den Weg für einen verantwortungsvollen Umgang“, betont Cécile Piel. (red/sc)

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