Train World in Brüssel: Besucherzahlen sinken vor Jubiläumsausstellung

<p>Ein Blick von außen auf das Eisenbahnmuseum der SNCB</p>
Ein Blick von außen auf das Eisenbahnmuseum der SNCB | Foto: Photo News

Von 2016 bis 2019 knackte das Museum mühelos die Marke von 130.000 Gästen pro Jahr, mit einem Rekord von 135.827 im Jahr 2019. Die Corona-Pandemie brachte zwar einen Knick, doch schon 2021 und 2022 war Train World wieder gut unterwegs – getragen vor allem vom belgischen Publikum. Seitdem geht es allerdings bergab: 2023 kamen noch 92.035 Gäste, 2024 nur noch 77.346.

Die Betreiber – die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCB – führen den Rückgang auf weniger zugkräftige Sonderausstellungen zurück. In der Vergangenheit lockten Themen wie Tim und Struppi, Lego, Paul Delvaux oder Schokolade ein breites Publikum. Jüngste Ausstellungen hingegen konnten nicht mehr dieselbe Anziehungskraft entfalten. Hoffnung setzt man nun auf die Wiedereingliederung von Train World in den sogenannten Museumpass sowie auf ein starkes neues Thema.

Neue Ausstellung mit brisanter Thematik

Seit Anfang September ist Train World geschlossen, am 26. September öffnet es wieder – mit einer Ausstellung, die für Gesprächsstoff sorgen dürfte: „SNCB, besetztes Unternehmen: zwischen Kollaboration und Widerstand“.

Im Fokus steht die Rolle der belgischen Bahn im Zweiten Weltkrieg: Einerseits hielt die SNCB den Betrieb aufrecht, andererseits beteiligte sie sich – trotz interner Widerstände – an Deportationen im Auftrag der deutschen Besatzer. Mehr als 25.500 Juden und Roma, dazu fast 190.000 Zwangsarbeiter und über 16.000 politische Gefangene wurden zwischen 1942 und 1944 mit belgischen Zügen in den Osten verschleppt. Pikant: Die Bahn stellte der Wehrmacht die Transporte sogar in Rechnung.

Die Ausstellung basiert auf einer Studie des Zentrums für historische Kriegs- und Gesellschaftsforschung (CegeSoma) und ist Teil der offiziellen Gedenkinitiativen der SNCB. In diesem Zusammenhang forderte eine Expertenkommission auch, dass sich die belgische Bahn offiziell für ihre Rolle bei den Deportationen entschuldigt. SNCB-Chefin Sophie Dutordoir zeigte sich dazu bereit – eine formelle Entschuldigung steht jedoch noch aus.

Ein Museum mit Symbolkraft

Train World entstand 2015 für 25 Millionen Euro. Im altehrwürdigen Bahnhof von Schaerbeek befindet sich der Eingangsbereich, die eigentlichen Ausstellungsräume sind in einem modernen Neubau untergebracht. Dort lassen sich Schätze wie die „Pays de Waes“, die älteste erhaltene Lokomotive des europäischen Festlands, oder die majestätische Dampflok Typ 12 („Atlantic“) bestaunen. Die spektakuläre Szenografie gestaltete der bekannte Brüsseler Comiczeichner François Schuiten. (belga/calü)

Weitere Infos gibt es HIER.

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