„Gemeinsam wollen wir dieses Jahr nutzen – ein Jahr, in dem wir Bewährtes weiterführen und mutig Neues anstoßen wollen. Die letzten Jahre – und besonders die letzten Monate – haben uns erneut vor Augen geführt, dass Frieden, Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht selbstverständlich sind“, sagte die CSP-Politikerin gleich zu Beginn ihrer Ansprache.
„Die Krisen, die uns umgeben – sei es Krieg auf europäischem Boden oder gesellschaftliche Spaltung – fordern uns heraus. Nicht nur als politische Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger, sondern als Gesellschaft. Viele Menschen fühlen sich abgehängt, überfordert oder nicht mehr gehört. Einsamkeit, soziale Ungleichheit und Zukunftsängste lassen das Vertrauen in Politik und Institutionen bröckeln. Das ist ein Weckruf an uns alle, unsere Demokratie menschlich, zugänglich und gerecht zu gestalten“, fügte sie hinzu.
Sie zitierte die flämische Parlamentspräsidentin Freya Van den Bossche (Vooruit), die beim Festakt zum flämischen Feiertag am 11. Juli in Brüssel von einer „wehrhaften Demokratie“ und einem „wehrhaften Frieden“ gesprochen hatte. „Eine Demokratie, die sich nicht nur auf Werte beruft, sondern bereit ist, sich aktiv zu schützen. Ein Frieden, der resilient ist – widerstandsfähig gegen Bedrohung von innen wie von außen“, erklärte Patricia Creutz-Vilvoye. Diese Wehrhaftigkeit ruhe auf drei Säulen, die auch uns hier in Ostbelgien beträfen:
1. Starke demokratische Institutionen und ein robuster Rechtsstaat: „Sie sind das Rückgrat unseres Zusammenlebens – unabhängig, zuverlässig, glaubwürdig.“
2. Professionelle, gut ausgestattete und demokratisch kontrollierte Verteidigungs- und Sicherheitskräfte: „Sie garantieren Sicherheit nach innen und außen – mit Augenmaß und im Rahmen unserer Grundrechte“, so die PDG-Vorsitzende und verwies auf die neue Studienrichtung „Sicherheit & Prävention“ am Eupener Robert-Schuman-Institut (RSI), die gezielt auf Berufe bei Polizei, Feuerwehr, Armee und Rettungsdiensten vorbereitet. „Damit wird ein wichtiges Signal gegen den Fachkräftemangel in diesen systemrelevanten Bereichen gesetzt.“
3. Eine Gesellschaft, die den Frieden trägt: „Eine Gesellschaft, in der wir einander mit Respekt begegnen, Hass und Fanatismus keinen Platz haben, und sich jede und jeder sicher, gehört und respektiert fühlt“, meinte die CSP-Politikerin. Diese drei Säulen machten deutlich: „Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Demokratie ist mehr als ein Wahltermin.“ Beides müsse gelebt, geschützt und weiterentwickelt werden.
„Diese gesellschaftlichen Herausforderungen haben eines gemeinsam: Sie stellen uns die Frage, wie wir unsere Demokratie schützen, stärken und zukunftsfähig machen.“ Bei der Konferenz der Präsidentinnen und Präsidenten der Parlamente der deutschsprachigen Länder sei deutlich geworden: In allen Regionen – ob groß wie Deutschland oder klein wie Liechtenstein – kämpften Demokratien mit ähnlichen Herausforderungen. „Frieden, Sicherheit, Vertrauen, Teilhabe – all das braucht Engagement, Überzeugung und gemeinsame Anstrengung.“
Konkretes Beispiel dafür sei der permanente Bürgerdialog, den das Parlament 2019 ins Leben gerufen hat und dessen erste Bürgerversammlung bereits 2020 stattfand. Mit einem Treffen am vergangenen Samstag ist der Startschuss für eine neue Ausgabe des Bürgerdialogs gefallen. Die Bürgerversammlung befasst sich zum ersten Mal mit dem Thema: „Senioren von morgen – Wie können unsere Politiker gewährleisten, dass das Leben im Alter in Ostbelgien attraktiv und bereichernd ist?“ Dabei gehe es nicht nur um Versorgung oder Infrastruktur, sondern ebenfalls um Mitgestaltung, um Lebensqualität und um das Recht, auch im Alter sichtbar zu sein und gehört zu werden. „Lassen Sie uns diese neue Sitzungsperiode mit Klarheit, Haltung und dem Willen zum Miteinander beginnen. Gestalten wir gemeinsam eine Demokratie, die zuhört, schützt und verbindet – heute und für die Generationen von morgen. Doch zu all dem gehört auch der respektvolle Umgang miteinander – innerhalb und außerhalb dieses Hauses“, so die Parlamentspräsidentin. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung sei es eine gemeinsame Verantwortung, den Ton zu wahren, sachlich zu bleiben und einander mit Respekt zu begegnen – auch bei kontroversen Debatten.
Zum Abschluss teilte Patricia Creutz-Vilvoye ein persönliches Symbol mit den Abgeordneten: eine kleine Glocke, die sie bei der Präsidentenkonferenz in Aarau von der Schweizer Nationalratspräsidentin Maja Riniker erhalten hatte, wie sie ausführte. Im Schweizer Nationalrat markiert das Läuten dieser Glocke Beginn und Ende einer Sitzung – als Zeichen von Ordnung, Respekt und gemeinsamer Verantwortung. „Glocken haben seit jeher Menschen zusammengeführt – sei es zum Gottesdienst, in Notsituationen oder bei öffentlichen Versammlungen. Sie sind ein akustisches Zeichen für Gemeinschaft und Zusammenhalt“, so die PDG-Vorsitzende. Mit genau dieser Glocke eröffnete sie die neue Sitzungsperiode – als Einladung, das politische Jahr mit gegenseitigem Respekt, klarem Kompass und vereinter Kraft zu gestalten.
Schweigeminute für ehemalige Mitglieder
Im Parlament wurde am Montag mit einer Schweigeminute dreier verdienter Persönlichkeiten gedacht: Manfred Schunck, Gerhard Palm und Winfried Croé. Manfred Schunck ist am 20. August im Alter von 83 Jahren verstorben. Er war nicht nur ein angesehener Eupener Apotheker, sondern auch politisch aktiv. Von 1994 bis 1999 stand er dem damaligen Rat der DG als Präsident vor und engagierte sich über viele Jahre hinweg in der CSP sowie in der Kommunalpolitik seiner Heimatstadt. Gerhard Palm war am 23. August im Alter von 78 Jahren verstorben. Er prägte die Autonomiegeschichte der DG wie kaum ein anderer, war Mitbegründer der PDB und fast vier Jahrzehnte Abgeordneter im heutigen DG-Parlament. Von 1989 bis 2006 fungierte er zudem als Bürgermeister der Gemeinde Büllingen. Auch Winfried Croé wurde gedacht, der am 8. August 2025 im Alter von 83 Jahren verstarb. Er gehörte von Januar bis April 1977 für einige Monate dem Rat der deutschen Kulturgemeinschaft (RdK) an und war ebenfalls Teil der frühen Autonomiegeschichte Ostbelgiens.

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