Vincent Kompany hatte vor dem Saisonauftakt so gar keine Lust auf die vielen Nebengeräusche beim FC Bayern. Er wolle nicht über „irgendwelchen negativen Impact reden. Ich mag nicht diese Opferposition. Ich hasse das“, sagte der Trainer des deutschen Rekordmeisters vor dem Ligastart am Freitag (20.30 Uhr/Sat.1) gegen RB Leipzig in aller Deutlichkeit und fügte mit Blick auf den dünn besetzten Kader an: „Also Manuel Neuer wird nicht im Sturm spielen.“ Max Eberl saß daneben und schmunzelte.
Dabei war dem Münchner Sportvorstand so gar nicht nach guter Laune zumute. Die Ansage von Ehrenpräsident Uli Hoeneß, bis zum 1. September nur noch Spieler leihen zu dürfen, setzte Eberl mächtig zu.„Wir haben Kingsley Coman verkauft, was nicht unbedingt der Plan war. Wir haben Nick Woltemade nicht verpflichten können. Es ist jetzt die Aufgabe, die wir zu akzeptieren haben und die nicht einfach ist. Wir müssen jetzt kreativ werden. Kaufen ist deutlich einfacher“, sagte Eberl genervt.
Ob sich vielleicht bei Woltemade doch noch was tun könnte? „Der Stand ist, glaube ich, dass es vom Tisch ist. Keine Ahnung, was bis zum 1. September passiert. Vielleicht leiht Stuttgart ihn nochmal an uns. Wir können ja leihen“, antwortete der 51-Jährige mit viel Sarkasmus.
Es herrscht bei den Bayern mal wieder Unruhe zur Unzeit. Anstatt sich voll und ganz auf die hohen Ziele zu konzentrieren, wird die ohnehin viel zu kurze Vorbereitung von Transfer-Diskussionen überlagert. Bei Leihgeschäften, so Eberl, würde „eine Kausalkette entstehen, die eben nicht einfach ist. Gerade am Ende einer Transferperiode kommen natürlich dann ganz, ganz kuriose Geschichten auch schon mal zum Tragen.“ Man müsse jetzt „gucken, welche Spieler, welche Qualität wir unserem Kader hinzufügen wollen, ohne kopflos zu sein.“ Interesse besteht vor allem an Christopher Nkunku vom FC Chelsea. Das Problem: Die Blues wollen den 27-Jährigen unbedingt verkaufen.
Die Bayern haben nach den Abgängen von Thomas Müller, Leroy Sané, Kingsley Coman, Mathys Tel und jetzt auch noch Paul Wanner in der Offensive erheblichen Handlungsbedarf. Hoeneß hatte als Mitglied des Aufsichtsrats trotz Transfereinnahmen für Coman (35 Millionen) und Wanner (15) einen Einkaufsstopp verhängt. Zudem war der Wechsel von Wunschspieler Woltemade vom VfB Stuttgart, für den über 60 Millionen Euro eingeplant waren, geplatzt.
Trotz aller Probleme dürfe man „den Kopf nicht in den Sand stecken“, forderte Eberl tapfer. Eine Aussage, die ganz im Sinne von Kompany war, der am Tag vor dem Spiel bemüht war, nach vorne zu blicken und Zuversicht zu verbreiten. „Für mich geht es nur darum, dass wir besser werden. Deswegen ist die Motivation von Bayern München nicht weniger, sondern sogar noch größer als letzte Saison“, sagte der ehemalige Rote Teufel.
Der Sieg im Supercup beim VfB Stuttgart (2:1) sei erst der Anfang gewesen. „Wir sind richtig heiß auf diese Saison. Mein Gefühl ist, die Jungs haben Bock drauf, sie haben Hunger“, betonte Kompany. Dies unterstrich auch der neue Abwehrchef Jonathan Tah: „Im Supercup haben wir uns dieses positive Gefühl geholt und gespürt, dass wir bereit sind.“
Bereit fühlen sich auch die runderneuerten Leipziger mit dem neuen Trainer Ole Werner. Er freue sich „richtig“ auf das Duell gegen die Bayern, sagte David Raum im kicker, „denn es ist gleich so ein All-Eyes-on-us-Spiel“. Für RB sei dies nach einer „durchwachsenen Saison“ ein „guter Gradmesser“. Leipzigs Geschäftsführer Marcel Schäfer hofft dabei auf die Gunst der Stunde. „Wenn die Bayern im Fußball-Rausch sind, sind sie nur sehr schwer aufzuhalten“, sagte er in der Sport Bild: „Am ersten Spieltag besteht zumindest die Chance, dass man sie in einem günstigen Moment erwischt.“ (sid/tf)

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