Die Ermittlungen liefen bereits seit Anfang Juli. Am Donnerstagmorgen schlugen die Fahnder zu und durchsuchten ein abgelegenes Anwesen, umgeben von Feldern. Dort entdeckten sie ein raffiniert getarntes Labor: Der Zugang führte über einen alten Schiffscontainer, in dessen Boden eine versteckte Luke direkt in einen betonierten Kellerraum führte.
„In diesem unterirdischen Labor wurde Kokain extrahiert, das zuvor in verschiedenen Trägermaterialien versteckt worden war“, erklärte die Staatsanwaltschaft von Lüttich. Neben dem professionell eingerichteten Extraktionsbereich fanden die Ermittler eine zweite Werkstatt in alten Pferdeboxen am Ende des Grundstücks. Dort wurde die Droge zu kompakten Blöcken gepresst und für den Weiterverkauf vorbereitet.
Die Bilanz: 50 Kilogramm Kokain in fertigen Blöcken, 47 Kilogramm in loser Form – und möglicherweise noch mehr. „Wir gehen davon aus, dass sich zusätzlich eine größere Menge flüssigen Kokains im Material befindet, das noch analysiert werden muss“, so Staatsanwalt Damien Leboutte.
Internationale Bande zerschlagen
Die Polizei nahm zehn Verdächtige fest – darunter den Eigentümer des Geländes sowie einen weiteren Belgier. Außerdem wurden sechs Kolumbianer, ein minderjähriger Niederländer und ein Albaner gestellt. „Alle haben offenbar aktiv am Betrieb dieses Labors mitgewirkt“, erklärte Leboutte.
Neben der gewaltigen Kokainmenge stellten die Beamten auch zwei Schusswaffen, eine scharfe Handgranate, mehrere Ausweisdokumente unterschiedlicher Nationalitäten sowie zahlreiche Mobiltelefone sicher.
Polizei warnt vor neuer Dimension des Kokainhandels
François Farcy, Direktor der föderalen Kriminalpolizei in Lüttich, betonte die Brisanz des Fundes: „Dieser Handel bringt enorme Summen ein. Wir sehen eine deutliche Zunahme von Kokain-Extraktionslaboren, nicht nur in Belgien, sondern auch in den Niederlanden und anderen Ländern.“
Die Staatsanwaltschaft fordert deshalb mehr Ressourcen für die Bekämpfung des Drogenhandels. „Die Netzwerke passen sich schneller an als Polizei und Justiz. Deshalb dürfen wir uns nicht nur auf Hotspots wie Antwerpen oder Brüssel konzentrieren – wir müssen landesweit aktiv bleiben“, mahnte Leboutte.
Am Donnerstagabend wurden die zehn Verdächtigen weiterhin vernommen. Sie sollen nun der zuständigen Untersuchungsrichterin vorgeführt werden. (belga/calü)

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