Hauptursache für den Preisanstieg sind Tierkrankheiten wie die Blauzungenkrankheit oder die Vogelgrippe, die europaweit zu massiven Keulungen geführt haben. Besonders betroffen: die Geflügelbranche. Allein in der EU mussten seit Jahresbeginn rund 19 Millionen Tiere geschlachtet werden, vor allem in Polen. Das Ergebnis: Rekordpreise für Hähnchenfleisch und stabile Preise für konventionelle Eier.
Noch gravierender wirkt sich die Situation auf den Rindfleischmarkt aus. Hier erleben die Preise eine Entwicklung, die viele Landwirte seit Jahren gefordert hatten – und inzwischen kaum für möglich hielten. „So etwas haben wir in den letzten zehn Jahren nicht gesehen“, sagt Emmanuel Grosjean, Koordinator des Collège des Producteurs. „Es gibt Grund zur Hoffnung, aber wir dürfen nicht vergessen: Zehn Jahre lang war es hart für die Viehhalter.“
Seit 2020 haben sich die Erzeugerpreise für Rindfleisch mehr als verdoppelt – ein Plus von 103 Prozent. Die Trendwende kam jedoch erst in den letzten Monaten. „Was die Bauern seit einem Jahrzehnt gefordert haben, ist innerhalb von vier Monaten passiert“, so Grosjean.
Im Handel fiel der Preisanstieg bislang moderater aus: Die Verbraucherpreise für Rindfleisch in Supermärkten stiegen seit 2020 um 29 Prozent, auf durchschnittlich über 23 Euro pro Kilo. Das Konsumverhalten blieb laut Collège des Producteurs stabil – auch wenn sich viele Haushalte teilweise auf günstigere Fleischsorten verlagern.
Trotz der aktuell hohen Marktpreise bleibt die Stimmung in der Branche verhalten. Die Produktionskosten sind weiterhin hoch, und das strukturelle Problem ist nicht gelöst: Der Rinderbestand in der Wallonie ist in den letzten zehn Jahren um 22 Prozent gesunken – auf unter eine Million Tiere. (belga/calü)

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