Die Aktion „Frag den König“ war am 15. April ins Leben gerufen worden – genau an dem Tag, an dem der Monarch seinen 65. Geburtstag feierte. Seine Kinder hatten über soziale Netzwerke zur Teilnahme aufgerufen. Die Resonanz war überwältigend: Insgesamt 2.614 Belgierinnen und Belgier – darunter Schüler, Berufstätige und Pensionierte – reichten ihre Fragen in Form von Videobotschaften ein.
Viele der Fragen, die nicht nur auf Französisch und Flämisch, sondern auch auf Deutsch gestellt wurden, drehten sich um persönliche Aspekte: Haustiere, Morgenrituale oder ganz praktische Dinge aus dem Alltag des Königs. Auch seine Rolle als Monarch war Thema. Warum er keine Krone trägt, wollte jemand wissen, ein anderer fragte, was er über Führung gelernt habe.
„Mit dieser Videoaktion, die im Schloss von Laken aufgenommen wurde, gibt der König einen Einblick in sein Privatleben. Man lernt die Person hinter dem Monarchen kennen. Das ist etwas, worauf der Palast seit Jahren setzt – früher war das absolut undenkbar“, erklärt Sandra Cardoen, Adelsexpertin beim flämischen Rundfunk (VRT).
Kritischere Themen blieben in der öffentlichen Antwortrunde außen vor. „Dabei wurden durchaus auch besorgte Fragen eingereicht – etwa zur geopolitischen Lage – aber diese werden nicht beantwortet“, so Cardoen weiter.
Dass der König zu diesen Themen schweigt, sei nachvollziehbar. „Der König muss neutral bleiben. Er darf eigentlich keine Meinung haben – zumindest nicht öffentlich –, aber er darf sie in seiner Weihnachtsansprache durchscheinen lassen, und das tut er auch“, erklärt Cardoen.
„So rief er vergangenen Weihnachten dazu auf, weiter für den Frieden einzutreten, für die Wahrung des Völkerrechts und für den Schutz der Kinder. Damit zeigt er durchaus seine Besorgnis – aber sehr vorsichtig. Begriffe wie ‚Gaza‘ oder ‚Ukraine‘ nimmt er nicht in den Mund, geschweige denn, dass er konkrete Namen wie Netanyahu oder andere Führer nennt.“
Die Frage nach der eigenen Meinung
Dass sich viele Belgierinnen und Belgier wünschen, der König würde in solchen Fragen deutlicher Stellung beziehen, zeigt sich in einer eingesendeten Frage: Eine französischsprachige Frau fragte offen, ob der König nicht manchmal den Wunsch verspüre, seine eigene Meinung laut zu sagen – gerade bei politischen oder sozialen Fragen.
„Sie haben recht, ich habe die Pflicht zur Zurückhaltung“, antwortete König Philippe. „Aber warum habe ich diese Pflicht? Weil ich alle Belgier und alle Meinungen vertrete. Und wenn ich Partei ergreife, dann bringe ich die Menschen nicht zusammen.“
Dennoch, so der König weiter: „Aber machen Sie sich keine Sorgen: Ich sage, was ich denke. In einer nicht-öffentlichen Situation äußere ich sehr wohl meine Meinung und sage, was ich denke“, so König Philippe. (calü)

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