Dänemark schockt Favorit Kanada: „Es ist verrückt“

<p>Sensationell schmeißt Dänemark Kanada aus der WM und steht im Halbfinale.</p>
Sensationell schmeißt Dänemark Kanada aus der WM und steht im Halbfinale. | Foto: belga

Ein Märchen in der Heimat von Hans Cristian Andersen, selbst für Matchwinner Nick Olesen fast unwirklich. „Mir fehlen die Worte, es ist unglaublich“, sagte der Siegtorschütze nach dem Eishockey-Wunder von Herning, nach dem Coup gegen Kanada, den niemand hatte kommen sehen. Durch einen späten Doppelpack kegelte der Gastgeber den Rekordchampion im WM-Viertelfinale mit 2:1 (0:0, 0:0, 2:1) raus und spielt erstmals auf der großen Bühne um eine Medaille – die Jyske Bank Boxen explodierte regelrecht.

Mehr als 75 Jahre nach ihrer Premiere gelang den Danish Lions der bislang größte Erfolg. Am 12. Februar 1949 hatte das Nationalteam in Stockholm sein erstes WM-Spiel gemacht, 0:47 stand es nach 60 Minuten, der Gegner hieß: Kanada. Doch solche Zeiten sind lange vorbei, dem schon eher unerwarteten Einzug in die Finalrunde durch den dramatischen Sieg im letzten Gruppenspiel über Deutschland (2:1 n.P.) ließ das Team des schwedischen Trainers Mikael Gath einen Knall folgen. Am Samstag (18.20 Uhr) geht es gegen die starken Schweizer, allerdings nicht vor Heimpublikum, sondern in Stockholm.

Lange stand die Null im ungleichen Duell, dann brach Travis Sanheim für die Ahornblätter den Bann (46.). Als es aussah, als würde sich (wie fast immer) der Favorit durchsetzen, wenn auch knapp, schlug Nikolaj Ehlers zu. Der NHL-Star von den Winnipeg Jets traf mit einem Handgelenkschuss von der blauen Linie, sein Cousin Alexander True verstellte Goalie Jordan Binnington dabei die Sicht (58.). Und als es dann aussah, als ginge es in die Verlängerung, hob Olesen nach einem Rebound mit einer Bierruhe den Puck aus kurzer Distanz ins Netz und sorgte 49 Sekunden vor Schluss vor 10.500 Fans in der ausverkauften Arena für die totale Ekstase (60.).

„Es war der Wahnsinn, die Zuschauer waren total aus dem Häuschen. Es war wahrscheinlich das größte Spiel meiner Karriere“, sagte der Siegtorschütze, der im Alltag für HC Ceske Budejovice aus Tschechien spielt.

Auch wenn der große Aufschrei in der Heimat ausblieb, zumindest medial, waren die Kanadier mächtig enttäuscht. „Natürlich ist das eine herbe Niederlage“, sagte Dean Evason, der Cheftrainer konnte beim Turnier auf reichlich Starpower zählen. Superstar Sidney Crosby spielte erstmals seit zehn Jahren mit. Auch Nathan McKinnon, 2024 MVP der NHL-Hauptrunde und in diesem Jahr wertvollster Spieler beim Gewinn des 4 Nations Face-Off, einer Art Mini-Olympia, stand im Kader. Binnington hatte 2019 mit den St. Louis Blues den Stanley Cup gewonnen.

All das half gegen den „mutigen Co-Gastgeber Dänemark“ (Canadian Press) nichts. „Wir hätten in allen Bereichen besser sein müssen“, kritisierte Evason: „Es ist schwer zu verdauen, es ist sehr frustrierend und enttäuschend, so weit gekommen zu sein und dann zu scheitern.“

Kapitän Crosby, der den Führungstreffer für den 28-maligen Goldmedaillengewinner auflegte, war „enttäuscht“. Das Team habe sich zwar „im Laufe des Turniers“ gesteigert, der Abend in Herning aber sei „nicht unbedingt unser bester“ gewesen. Nun geht es nach Hause. (sid/tf)

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