Ecolo zum Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg: „Ein energiepolitischer Rückschritt“

<p>Das Atomkraftwerk in Tihange</p>
Das Atomkraftwerk in Tihange | Illustrationsfoto: afp/belga

Mit dem Festhalten an alten Reaktoren und der Hoffnung auf neue, milliardenteure Atomprojekte verkaufe die Regierung der Bevölkerung „scheinbare Lösungen für echte Probleme“. Während über technische Details diskutiert werde, würden die gesundheitlichen Risiken für die Bevölkerung weitgehend außen vor bleiben.

Die Verlängerung der Laufzeiten alter Reaktoren und die Planung neuer Atomkraftwerke seien nicht nur sicherheitstechnisch bedenklich, sondern auch wirtschaftlich unsinnig und würden die dringend notwendige Energiewende behindern. Besonders bemerkenswert für die Partei: Selbst der Betreiber Engie spreche sich gegen eine Laufzeitverlängerung aus, da diese technisch und wirtschaftlich kaum vertretbar sei. Die jetzige politische Entscheidung ignoriere nicht nur die physikalische Realität der alternden Reaktoren, sondern auch die Einschätzung derjenigen, die sie betreiben sollen. Die Laufzeitverlängerung und der Bau neuer Reaktoren würden öffentliche Investitionen in Milliardenhöhe erfordern. Allein für die Nachrüstung der Altmeiler seien mehrere Milliarden Euro notwendig. Neue Anlagen – etwa sogenannte Small Modular Reactors (SMR) – würden nach aktuellen Schätzungen pro erzeugter Kilowattstunde ein Vielfaches von Wind- oder Solarenergie kosten. Diese Investitionen würden laut Ecolo die Steuerzahler massiv belasten und zu einem Strompreis, der langfristig deutlich teurer werde als der aus erneuerbaren Energien führen.

Zudem schaffe Atomkraft keine Unabhängigkeit. Die neuen Reaktortypen, die derzeit diskutiert werden, benötigten spezielle Brennstoffe, die Belgien selbst nicht herstellen könne. Diese müssten importiert werden, etwa aus Russland. Besonders bei den SMR sei der Brennstoff fest an die Reaktortechnologie gekoppelt. Das mache Belgien langfristig abhängig von ausländischen Anbietern und damit auch von deren politischen Interessen. „Hat man denn aus der Vergangenheit nichts gelernt?“, heißt es in dem Kommuniqué.

Bis heute gebe es in Belgien keine Lösung für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle. Was mit dem hochradioaktiven Müll geschehen soll, bleibe unklar. Klar sei, dass niemand in Belgien ein Atommüllendlager in seinem Garten haben möchte.

Neue Reaktoren könnten frühestens in 20 bis 25 Jahren ans Netz gehen. Das heiße: Sie würden keinen Beitrag zur Lösung der aktuellen Energiekrise leisten. Stattdessen würden Milliarden an Steuergeldern in ein Projekt fließen, das zu spät komme, den Strom verteuere und die Energiewende unnötig verzögere.

Zwar könne die Atomkraft kurzfristig zur Reduktion von CO₂-Emissionen beitragen – doch dieser Vorteil habe seinen Preis: Atomkraftwerke seien unflexibel und würden sich kaum bedarfsgerecht regulieren lassen – was zu einer Verstopfung des Strommixes führen würde. „Für eine moderne, resiliente Energiewende, die auf Ausgleich, Anpassungsfähigkeit und Nachhaltigkeit setzt, ist die Atomkraft daher ein Bremsklotz statt ein Baustein“, heißt es weiter.

„Die Rücknahme des Atomausstiegs ist sicherheitspolitisch fahrlässig, ökonomisch unsinnig und energiepolitisch ein Rückschritt. Statt in überteuerte und unsichere Technologie von gestern zu investieren, braucht Belgien einen konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien und der Speichertechnologien – sozial gerecht, wirtschaftlich tragfähig und gesund für Mensch und Umwelt“, lautet das Ecolo-Fazit. (red/nc)

Kommentare

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    "„Die Rücknahme des Atomausstiegs ist sicherheitspolitisch fahrlässig, ökonomisch unsinnig und energiepolitisch ein Rückschritt..."
    zeigt allen, dass Ecolo und alle anderen Energiewende-Befürworter NULL AHNUNG haben von einer gesicherten Energieversorgung mit Strom.
    "alternative Energien" sind keine Alternativen, die sind nicht in der Lage, herkömmliche Stromerzeugung zu ersetzen, geschweige denn noch zu übertrumpfen.

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