„Eure Zeit ist um“ - mit diesen Worten kommentierte US-Präsident Donald Trump im März neue Luftangriffe gegen die Huthi-Miliz im Jemen. Bei Hunderten Einsätzen soll das US-Militär seitdem Anführer, Kommandozentren und Waffensysteme der vom Iran unterstützen Organisation getroffen haben. Im Jemen wittert die international anerkannte Regierung jetzt eine Gelegenheit für eine großangelegte Offensive gegen die Huthi, die den Norden des Landes seit einem Jahrzehnt fest im Griff haben. Es könnten die heftigsten Kämpfe im Land seit Jahren werden.
Angriffe der Huthi stören Handel und Sicherheit.
Nach Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 wurden die Marschflugkörper, Raketen und Drohnen der Huthi-Miliz sowohl für Israel als auch für Handelsschiffe im Roten Meer zur Bedrohung - darunter auch Schiffe mit dem Ziel Europa. Viele Reedereien meiden seither die Route über den Suezkanal und nehmen teure Umwege in Kauf. An der EU-Militärmission „Aspides“ zum Schutz der Schifffahrt ist auch die deutsche Marine beteiligt. Die Huthi kündigten an, ihre Angriffe erst bei einem Waffenstillstand im Gaza-Konflikt einzustellen.
Rückblick: Bürgerkrieg und Angriffe auf Ölanlagen.
Die Huthi hatten das arme Land auf der Arabischen Halbinsel 2014 überrannt. Im Norden setzen sie ihre Ideologie gewaltsam durch. Sie haben staatsähnliche Strukturen geschaffen und sich laut UN-Experten und USA mit Hilfe des Irans immer stärker bewaffnet. Der Bürgerkrieg stürzte das Land in eine der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit, heute sind etwa 20 Millionen der geschätzten 34 Millionen Einwohner auf Hilfe angewiesen. Saudi-Arabien versuchte als Schutzmacht der jemenitischen Regierung und mit Hilfe der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) vergeblich, die Huthi zu vertreiben. Beide Golfländer erlebten schwere Treffer der Huthi auf ihre Ölanlagen und zogen sich aus dem Bürgerkrieg zurück. 2022 trat eine Waffenruhe in Kraft, kleinere Gefechte gab es weiterhin.
Jemen: Pläne für Offensive einsatzbereit
„Alle Optionen sind auf dem Tisch“, sagt ein ranghoher Regierungsvertreter im Jemen der Deutschen Presse-Agentur. Im Gespräch sei eine Bodenoffensive, um die Hauptstadt Sanaa, die wichtige Hafenstadt Hudaida und andere Gebiete zurückzuerobern. Einen Zeitplan gebe es bisher nicht. Aber: „Der Plan ist einsatzbereit. Wir warten nur auf eine Entscheidung und die Absprache dazu.“
Wie könnte die Offensive ablaufen?
Eine eigenständige Offensive könne die schwache jemenitische Regierung nicht allein beginnen, sagt der Jemen-Experte Ahmed Nagi von der Crisis Group. Sie hänge stark ab von der Unterstützung aus Riad, Abu Dhabi und Washington. Nagi schätzt, dass 160.000 oder mehr Kämpfer verschiedener Gruppierungen bereitstehen könnten. Auch die Huthi würden sich vorbereiten und Fronten verstärken. Sie verfügen laut UN-Experten inzwischen über rund 350.000 Kämpfer und haben Tausende Kinder als Soldaten rekrutiert. Dass die USA oder die Golfländer Bodentruppen schicken, gilt als ausgeschlossen. Für den Fall einer Offensive sagt Nagi schwere Kämpfe voraus, „noch erbitterter als Ende 2018“ um Hudaida. Ein Verlust der Hafenstadt wäre ein herber Rückschlag für die Miliz. Über diese erhält sie nach UN-Informationen einen Großteil ihrer militärischen Ausrüstung. Auch ihre wichtigste Einnahmequelle, nämlich der Verkauf geschmuggelter Erdölprodukte, wäre damit gekappt. Private US-Sicherheitsfirmen hätten Gruppierungen im Jemen bereits wegen der Offensive beraten, berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen. Am Donnerstag zerstörte das US-Militär bereits den wichtigen Hafen Ras Isa nördlich von Hudaida und schickte eine erneute Warnung an die Huthi und „ihre iranischen Meister“. Huthi-Medien berichteten von 80 Toten und 150 Verletzten - die bisher höchste Opferzahl seit Beginn der US-Angriffe.
Trumps Machtdemonstration und Drohungen an den Iran
Ob US-Präsident Trump eine mögliche Offensive direkt unterstützt, ist unklar. Seine Nahost-Politik gilt als schwer kalkulierbar. Das Weiße Haus spricht seit Beginn der Angriffe im März von großen Erfolgen im Kampf gegen die Huthi, die Trump zu einer ausländischen Terrorgruppe erklärt hat. Militärexperten verweisen darauf, dass Luftangriffe allein keine dauerhaften Erfolge am Boden bewirken können. Der Sender CNN berichtete zudem, die US-Angriffe hätten in nur drei Wochen rund eine Milliarde US-Dollar gekostet. Die Machtdemonstration im Jemen sei auch ein Signal an den Iran und ein Versuch, diesen zu weiteren Verhandlungen über dessen Atomprogramm zu drängen, schreibt das US-Denkfabrik Atlantic Council. Trump hat dem Iran im Falle eines Scheiterns der Gespräche mit drastischen Konsequenzen gedroht – bis hin zu einem möglichen Angriff auf Teherans Nuklearanlagen. Zwei der wichtigsten Verbündeten des Irans, die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon, sind durch den Krieg mit Israel deutlich geschwächt. Das zuständige US-Zentralkommando erklärte schon im März: Der Kampf gegen die Huthi sei ein Einsatz „rund um die Uhr“. (dpa/sc)

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