Passio 2025 in St.Vith: noch fünf Aufführungen bis Karfreitag
Zwischenbilanz
Von Lothar Klinges
Lesedauer: 5 min
Nur noch einige Restkarten sind erhältlich. Am Karfreitag hebt sich zum elften und letzten Mal der Vorhang im St.Vither Triangel. Die Schönberger Passionsspiele, die über mittlerweile drei Jahre gewachsen und gereift sind, werden dann auch in diesem Jahr weit über 5.000 Besucher aus nah und fern in ihren Bann gezogen haben.
Die Schönberger Passionsspiele im Triangel, hier Sr. Sheela als kanaäische Frau, gehen Karfreitag zu Ende.
| Foto: Georg Schmitz
Die Schönberger Passionsspiele im Triangel, hier Sr. Sheela als kanaäische Frau, gehen Karfreitag zu Ende. | Foto: Georg Schmitz
Bischof Jean-Pierre Delville (rechts) zusammen mit den beiden Jesus-Darstellern Julian Klein und Lothar Krämer. | Foto: Lothar Klinges
Am Karfreitag herrscht im Kultur-, Konferenz- und Messezentrum ein letztes Mal das sogenannte Passio-Fieber: Sandalen werden geschnürt, Gewänder gewickelt und Tücher festgesteckt, Schleier auf dem Haarschopf befestigt, Darsteller geschminkt, Rüstungen angelegt und Helme aufgesetzt.
Eine authentische Inszenierung der „Passio“
Wohl keiner konnte sich bisher der Ausstrahlung dieser großen Gemeinschaftsleistung mit äußerst feinfühliger Umsetzung entziehen. Nüchterne Worte können kaum das gefühlsstarke und für nicht wenige auch gläubige Empfinden der Zuschauer beschreiben, insbesondere bei der „dritten Dimension“, wie der verstorbene Bischof Aloys Jousten die persönliche Zeit der Zuschauer nach der Aufführung einmal beschrieb.
Beim Passionsspiel sind zwar Laien am Werk, aber ihre Darstellung auf zwei Zeitebenen ist alles andere als laienhaft. Zwar liegt das biblische Geschehen mehr als 2.000 Jahre zurück, doch ist die Botschaft aktueller denn je, wie es Zuschauer immer wieder mit Blick auf die aktuelle Ebene bemerken.
Den Zuschauern bietet sich seit Mitte März eine zweieinhalbstündige authentische „Inszenierung“ mit u. a. dem letzten Abendmahl und der ergreifenden Ölbergszene auf der historischen Ebene. Freude und Schmerz, Erschütterung und Leid, Zweifel und Hoffnung sind auf allen Ebenen bei den Akteuren zu spüren.
Die Darsteller(innen) verkörpern die „Passio“ mit Leib und Seele, große und kleine Mitwirkende legen ihr „Alltagsgewand“ ab – sie schlüpfen nicht nur in ihre Rollen, sie werden eins mit den Charakteren und tragen so zum einzigartigen Gelingen eines Spieles bei, das mit ausdrucksstarken und bewegenden Momenten in Verbindung mit Musik und Hintergrundbildern die Zuschauer um 2.000 Jahre zurück versetzt und sie doch immer wieder in das heutige Leben zurückholt. Die bisherigen Aufführungstermine haben allen Akteuren auf, vor und hinter der Bühne viel abverlangt.
Regisseur Jörg Lentzen ist überwältigt von dem großen Zuspruch, der sich bis zum Ende der Aufführungen abzeichnet. Natürlich sind die Passionsspiele für ihn ein zeitaufwendiges Ereignis, das neben dem eigentlichen Leben als Familienvater und Berufstätiger zu bewältigen ist. „Aber es ist nicht so, dass die Spiele zur Last werden, da der Gemeinschaftssinn so groß ist, dass ich mich dadurch getragen fühle.“ Die gesamte Gruppe ist sehr gut vorbereitet in die Aufführungen gegangen. Zwar passieren hier und da noch Patzer, „jedoch sind sie menschlich und nur für uns sichtbar“, sagt Jörg Lentzen. Die Spieler-innen wachsen über sich hinaus. Natürlich spürt man bei ihnen auch die Müdigkeit, jedoch motivieren sie sich gegenseitig. „Die Zuschauer gehen angeregt durch unsere Botschaften in ihr Leben zurück. Da würde ich sagen: Ziel erreicht.“
„Unsere Akteure sind größtenteils gesund geblieben, und wir hoffen, dass sie es auch während der nächsten Aufführungen bleiben“, hofft Passio-Präsident Georg Schmitz. Die Gruppe wächst immer mehr zusammen, und das Spiel auf der Bühne wird von Mal zu Mal besser. Nach der Vorstellung bleiben die Akteure in ihren Kostümen und sprechen mit den Zuschauer(innen). „Dabei kommt es zu besonderen Momenten. Menschen, die man nie erwartet hätte oder die man schon lange nicht mehr gesehen hat, sind im Publikum. Das ist sehr schön und ergreifend. Manchmal muss man eine Träne verdrücken.“ Die Zuschauer nehmen die Aufführung mit einer tiefen Konzentration und Ruhe wahr, was die Atmosphäre auf der Bühne noch intensiver macht, freut sich Georg Schmitz.
Mit viel Herzblut ist Vize-Präsident Rudi Kohnen für den Bühnenaufbau zuständig und war schon nach wenigen Probemonaten überzeugt, dass die aktuellen Passionsspiele die Zuschauer ansprechen und berühren würden. „Die ganze Mühe hat sich gelohnt.“ Jörg Lentzen strahlt eine Ruhe aus und gibt damit den Schauspielern Sicherheit. Rudi Kohnen ist sehr froh, mit fast seiner ganzen Familie, Frau, Tochter, Sohn und zwei Enkeln, die Passion aktiv mit zu erleben. Die Spieler sind auch hinter der Bühne „sehr konzentriert und diszipliniert“. Die Meditation als Einstieg vor jeder Aufführung ist für ihn ein wichtiger Moment.
Einer körperliche
und emotionale Kraftanstrengung
Für Pascal Theis aus Crombach erfordert das mehrmalige Spielen an einem Tag und bis zu vier Mal am Wochenende eine große körperliche und emotionale Kraftanstrengung. „Wir Spieler achten untereinander auf uns und motivieren uns gegenseitig, sodass jede Vorstellung mit voller Intensität gespielt werden kann.“ Er nimmt sich vor jeder Aufführung einige Minuten nur für sich alleine, um in seine Rolle zu finden. Für ihn ist es unglaublich erfüllend, auf die Bühne zu gehen und seine Rolle weiterzuentwickeln. „Je öfter ich spiele, desto besser kann ich mich in die Figur hinein fühlen, die emotionale Tiefe und die menschlichen Aspekte stärker betonen und die Interaktionen mit den anderen Schauspielern verbessern.“ Pascal Theis, der auf der modernen Ebene eine Schlüsselrolle als „Vermittler“" zur Selbstreflexion spielt, gefällt besonders die Art und Weise, wie Jesus nicht nur als historische Figur, sondern als Symbol der Veränderung und Hoffnung in einer Welt nach einer Katastrophe erfahrbar wird.
Für die Ordensfrau Sr. Sheela Kuruvilla aus Indien, die auf der biblischen Ebene eine kanaanäische Frau spielt, findet dass ihre Rolle zu ihrem echten Leben passt, denn diese Frau hat eine Tochter, die an Epilepsie leidet. Diese Erkrankung kennt sie aus ihrem Alltag, denn sie arbeitet als Krankenschwester in der Psychiatrischen Abteilung der St.Vither Klinik. „Viele von unseren Patienten schauen trostlos auf ihr Leben. Das Leben hat sie ein Stück weit auf den Boden gedrückt und hoffnungslos gemacht.“ Wenn sie bei dem Passionsspiel auf die Bühne geht, nimmt sie alle ihre Patienten im Herzen mit.
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