Johannes Thingnes Bö schwelgte vor seinem finalen Karriereakt in Erinnerungen. Bei Instagram postete er seine legendärsten Momente vom Holmenkollen, gönnte sich einen Zusammenschnitt seiner größten Triumphe. Und tatsächlich könnten auf den letzten Drücker noch weitere Höhepunkte hinzukommen: Nach seiner krankheitsbedingten Abreise von der Pokljuka dürfte der langjährige Dominator gemeinsam mit seinem Bruder Tarjei die wohlverdiente Abschiedsshow in der Heimat bekommen.
Zumindest kehrte der 31-Jährige rechtzeitig vor dem Weltcupfinale ins Training zurück. Konzentriert feuerte er ein paar letzte Probeschüsse ab, drehte bester Laune mit herrlichem Blick über den Oslofjord ein paar Langlaufrunden. Damit sollte einem Start im Sprint am Freitag (13.30 Uhr), der Verfolgung am Samstag (13.45 Uhr) und dem Massenstart am Sonntag (15.40 Uhr/jeweils ARD) nichts im Wege stehen. Dieschwere Erkältung samt Fieber scheint rechtzeitig ausgestanden.
Würdiger Rahmen für den Abschied
Die Chance auf die abschließende Krönung mit dem sechsten Triumph im Gesamtweltcup ist allerdings minimal, der Rückstand auf Sturla Holm Lägreid beträgt bei noch 270 zu vergebenden Punkten satte 104 Zähler. Und fraglich ist auch, in welcher körperlichen Verfassung Bö an den Start gehen wird. Seinen Auftritt im Einzel auf der Pokljuka hatte er gesundheitlich gebüßt. „Im Nachhinein betrachtet, hätte ich nicht das normale Programm fahren sollen“, sagte er bei NRK: „Skifahren, wenn man krank ist, ist auf die Dauer keine gute Kombination.“
In Folge sei er erstmal „völlig fertig“ gewesen, doch ein paar einsame Tage im Wellnesshotel brachten offenbar entscheidend Besserung. Und so wird der Rahmen für den Abschied des „Königs der Biathleten“ würdig sein: Die Stadiontickets sind ausverkauft, auch die norwegische Königsfamilie hat ihr Kommen angekündigt. Ein Land verabschiedet seine Helden, eine Sportart verliert zwei der Größten aller Zeiten. Biathlon werde ohne die Bös zwar „sicher weitergehen, aber es wird anders sein“, sagte DSV-Sportdirektor Felix Bitterling.
Die Brüder wollen künftig mehr für ihre Familien da sein, der Aufwand für die Olympischen Winterspiele 2026 in Antholz ist ihnen zu groß.Johannes Thingnes Bö hatte sich zuletzt in Lenzerheide mit seinen Titeln 21 bis 23 zum alleinigen Rekordweltmeister gekrönt und Legende Ole Einar Björndalen abgelöst. Im Weltcup holte er bislang 79 Einzelsiege, dazu fünfmal die große Kristallkugel. Bei Olympia gewann er fünfmal Gold. „Sein Niveau“, so Lägreid, „war nicht von dieser Welt. Er hatte alles, um der Allerbeste zu sein und ist es geworden.“
„Die Urgewalt“ Johannes Thingnes habe „genug gesiegt“, sagte sein fünf Jahre älterer und kaum minder erfolgreicher Bruder Tarjei süffisant. Der wurde ebenfalls dreimal Olympiasieger, gewann einmal den Gesamtweltcup und holte zwölf Weltmeistertitel. Am Sonntag endet eine Ära im Biathlonsport - es wird gewiss ein emotionaler letzter Tanz vor Zehntausenden Zuschauern. (sid/kupo)

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